Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537789--6155-3544287- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Weiteres zur sogenannten Altherrenfrage 1*9 ü-ghci-en unseres nationaljüdischen Denkens, sich gegebenen Tatsachen hinzugeben und sich ihrer zu bedienen. Es wird aber noch Leute geben, denen immer noch nicht klar ist, warum Ungleiches sich verbinden soll, statt Gleiches zu Gleichem - u tun. Es wird ferner trotz aUem Leute genug geben, die glauben, dass eine eingebildete Gemeinschan aller Juden e;ne solche Wirklicikit überflüssig macht. Diesen beiden Kategorien ist also nicht mit obigen Ausführungen zu helfen Diesen muss man mit andern. gröberen Mitteln ihr Schmarotzertum und ihre Impotenz vor Augen führen. Und zwar auf folgende Art: Gerade von diesen Leuten ertönen bei grossen, politischen Entscheidungen, die Wagemut und Selbstvertrauen veraussetzen, stets die gleichen Töne des Zweifels und der Beuenk'iehkeit. Voll übergrosser Verantwortung glauben sie vor jedem entschiedenen Schritte wanien zu müssen. So auch letzt bei der Bildung der Ageney. Gerade d;ese Leute sind es, die Warnungsrufe ausgössen, und, wenn das Unheil nicht mehr abzuhalten ist, wenigstens Sicherungen und verbriefte Rechte verlangen. Auf die Psychologie dieser Leute näher einzugehen, würde zu weit führen und auch unnötig sein. Aber zu fragen ist doch: von wem verlangen sie die Durchsetzung der Sicherungen und mit welchem Recht? Sie wenden sich plötzlich, wenn es ernst wird, doch dem heute so kleinen Kreis der zur Arbeit Vereinten zu. Nein! diese Impotenten muss man mit der Nase darauf stossen: dass alle Sicherungen und verbrieften Rechte lacherlich machtlos sind, dass die zionistische Organisation in Europa eben widerstandslos ist, weil ihre einzelnen Gemeinschaften keine rechte Gebundenheit besitzen, keine Kraft mehr haben. In Amerika ist alles Organisiertheit, daher seine Macht, in Europa (o! Assimilation!) ist alles Isoliertheit und gegenseitige Hemmung, daher auch unsere Machtlosigkeit und Furcht. — Wenn wir Zionisten Europas fürchten, dass der nationaljüdische Aufbau Palastinas durch „Amerikaner" oder sonst wen gefährdet werden kann, so sind es nicht verbriefte Rechte, sondern allein die Stärke des zionistischen Willens, entsprungen der o ro, a n i s i e r t e n , zionistischen Gesel'schaft, der Palästina nützen kann. H e r z 1 s Tat war nicht die Erfindung Zions, sondern die Schaffung der zionistischen Organisation, die Idee der organisierten Judenkraft Wir sind keine Zionisten, wenn wir das nicht begreifen und wahr machen wollen. Wahr machen wollen zuerst in unserer Sphäre, m unserer Gemeinschaft. Wenn aber einer durchaus als Warner auftreten will, so muss er heute nicht vor „dem Feinde" warnen, sondern vor dem Mangel an organisierter Stärke im eigenen Lager. Gesetzt, der Zusammensch^uss wird als notwendig empfunden und wird Wirklichke:t, so ist es erforderlich, die Aktionsrichtung von dem Menschenmaferiai best;mmen zu lassen, das sich bei uns befindet und in den Typen festgelegt ist. Vorweg muss ein Negativuni konstatiert werden: Der allen vorbildliche Idealtyp des Zionisten, der Chaluz, scheidet für uns als Ziel aus. Warum? Sehr eimw h. Wei' wir nicht die Menschen dazu siw Statt vergeblich zu grüben, wie das gekommen ist, soll man endlich