Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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1S7 vun ihren Menschen den vollen Einsatz ihrer Kräfte fordert, um ihr zu folgen, empünden diese Abgewendeten in sich die w ohltuende Ruh-% die ein abgeschlossenes,- in sich ruhendes Milieu spenJet. Sie atmen auf in dem GeiühJe, ihre Kräfte nicht nutzlos in alltäglichem Kleinkrieg zu vertun, ohne einen greifbaren Gewinn davon zu erlangen. Sie arbeiten Y^n^st in von Gestalten erfüllter Einsamkeit, sie können den Ertrag ihrer geistigen Arbeit täglich wachsen sehen. Sie haben das Bewussisein, dem rüdischen Volk täglich näher zu rücken, dadurch, dass sie sich in sein vergangenes Lelren stärker veivefen. S i e merken aber nicht, dass sie aufgehört haben, für ihre Person geistige und sittliche Entscheidungen treffen zu können, dass sie keine Gegner unter den Lebenden finden. Die Vergangenheit sich zur Gegenwart zu machen, ist ein Spiel und als solches, wie ieJes gute Spiel, schön und erziehend. Aber ein Zionist, d. h. ein Teil der aktuellen Formung eines jüdischen Grundwiliens, ist das krasse Gegenstück zu einem Menschen, der sein geistigem Auge für Realitäten der Vergangenheit schärft und dessen Bedürfirs, sich sittlichen Anforderungen zu unterwerfen, nach Ausdrucksmitteln und geistigen Einstellungen vergangener Menschen greift. Die Gegenwart sich zu erschliessen, in ihrem Wirrwarr und ihrer Ungeklärheit den zugewiesenen PI itz. bewusst auszufüllen, stillt allein das menschliche Verlangen, einmal wirklieh verbraucht zu sein, um anständig und leicht sterben zu können. Der jüdischen Gegenwart Tempo und Farbe abzulauschen, ist die wirkliche Aufgabe derer, die ihren ohilosophischen Sinn und ihre philosophische Exaktheit für sich und' andere gewinnbringend spielen lassen wollen. (Wenn jemand in unseren Reiben wirklich fähig ist Ueberblicke zu gewinnen und Formen zu giessen, so soll er die Gegenwart sich zum Objekt nehmen, die auf Formen wartet, und die allein auch dar.1 :n kann. Die anderen dieser Gruppe, die ich noch zu zeichnen versuchen will, das sind die, die sich zu den ganz Jugendlichen geschlagen haben, mit diesen und in ihren Organisationen leben. Auch sie fliehen die problemreiche Gegenwart, der sie angehören und hoffen aus der Chaluzstinmiung der Jungen den einzigen, wertvollen Gehalt jüdischen Fühlens mitzuempfinden. Ist es notwendig, erst zu betonen, dass es Selbstbetrug ist, wenn ein Alter am Feuer der Jugend seine Glieder wr«rmt! Sie sind doch keine Chaluzim und wissen, dass sie es nicht mehr werden können. Sie machen sich ja selbst zu Greisen, indem sie auf jede Wirksamkeit in ihrem Lebensrahmen verzichten. Denn Heiligtümern, die in diesen Ländern gepflanzt werden, sind sie menschlich längst entwachsen. Ein Knieröckchen ist mit 15 Jahren entschieden reizvoll, mit 35 Jahren aber reichlich lächerlich. (Mit Kniehöschen ist es nicht viel anders.) Zum Schluss noch ein Typ, dessen Vertreter überall in ein oder zwei Exemplaren zu finden ist: ich möchte ihn den Junggesellen des Kartells nennen. Diese Bundesbrüder haben weder eine frmiliärc Hindling, noch sind sie verlobt oder verheiraiet, noch bindet sie der Zio- 13*