Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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178_Zur Frage der nationalen Autonomie in Palästina schaftliche Arbeit im Lande. Niemand von uns predigt Gewalt gegen die Araber. Nur Unwissenheit oder Scheinheiligkeit kann behaup.en, dass man sich „über ererbte Rechle der Einwohner hinwegsetzen zu können glaubte", und dass die Leitung „es sich versagt habe", den „Abwehrinstinkten" der Araber zu begegnen. Ob in unserer arabischen Politik zu viel oder zu wenig, ob das Richtige oder das Falsche versucht wurde — diese Fragen kann man diskutieren. Aber fort mit dem Gerede über „Verständigung", wenn man Wege und Ziele nicht anzugeben vermag. Ob eine Kongressresolution zu diesem Thema Gerede ist? Gewiss! Was Kutzinski am Schluss seiner Ausführungen gegen mich sagt, ist zu allgemeiner Natur, um eine Widerlegung zu ermöglichen. Wenn er mich für einen Diplomaten und Militaristen der alten Schu1e hält, der seine Methoden der Umwelt entnimmt, so kränkt mich dies viel weniger, als wenn er mich zum Beispiel für einen schlechten Politiker hielte, der über seiner kümmerlichen, von Buber, Landauer, Freud oder anderen gerade modernen Propheten zusammengeborgten, auf allen Beinen hinkenden Parteireligion das Ziel des Zionismus aus den Augen verloren hat, der eine neumodisch-literarische Batlanuth anstelle von Politik betreibt. Was aber das Judentum der Zukunft in Palästina anlangt, an das ich keine geringeren Hoffnungen knüpfe als Kutzinski, so wird die Erneuerung des jüdischen Menschen hoffentlich auch zu einer für den Bestand der nationalen Heimstätte lebenswichtigen Erneuerung des politischen Denkens führen. Zur Frage der nationalen Autonomie in Palästina. von Arno Blum, Sport-V. J. St., Berlin. Die letzte Konferenz der Aehduth Haawodah in Ejn Charod hat ^ich u. a. mit der Frage der jüdischen Autonomie in Palästina beschäftigt. Der Bericht der Jüdischen Rundschau*) lautet wörtlich: -Jn der Sache der jüdischen Autonomie ringen zwei Anschauungen miteinander: personale oder territoriale Autonomie. Die Forderung nach einer territorialen jüdischen Autonomie in Palästina als Ziel unserer Politik ist bisher eher von den Rechtsparteien erhoben worden. Zuletzt hat Ben Awi im Sommer des vergangenen Jahres sie aufgestellt und auf einer Karte die Gebiete abgegrenzt, welche wir schon heute als Siedlungen mii jüdischer Majorität ansehen können und ff,r welche wir daher die Forderung eines geschlossenen Gebietes aufstellen sollen. Die Aufnahme dieser Forderung in das politische Programm eines Führers« der Aehduih Haawodah, D. Ben Gorions» kann eher überraschen. Er hat sie ungefähr so begründet: Die Forderung nach einer persönlichen Autoromie für Palästina ist eine Uebertragung von Galutliverhältnissen in unser nationales Heim. Die persönliche Autonomie hat nur einen Sinn für die *) No. 45 vom 6. 6. 24.