Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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177 ich nicht erörtert. Freilich, das Problem besteht — und nicht nur bei der Frage jüdischer Truppen — wie Palästina ein jüdisches Land werden soll, obwohl die Juden noch gar nicht eingewandert und die Araber gegen die jüdische Einwanderung sind. Es ist dies sogar das zentrale Problem unserer Politik, für das man Lösungen suchen muss. Die im Weltkrieg gefundene Lösung besieht im englischen Protektorat, das uns in solchem - Umfang und solange schützen muss, dass wir die jüdische Kolonisation durchführen können. Man kann diese Lösung schlecht finden, aber wenn man sie im Prinzip aeeeptiert hat, soll man nicht auf das imperialistische England schimpfen (wie es Bubers „Jude" jahrelang tat). Man soll nicht so unaufrichtig sein, einerseits dauernd nach englischer Unterstützung zu rufen, und andererseits so zu tun, als habe man eine viel bessere Lösung in der Tasche — nämlich die berühmte Verständigung mit den Arabern. Ich habe mich mit dem Problem dieser Verständigung sehr genau be<asst, und nicht nur am Schreibtisch. Die Versuche, solche Verständigung anzubahnen, sind in Konstanünopel und Cairo, Damaskus und Paris immer wiederholt worden. Dass sie vorläufig zu keinen Ergebnissen geführt haben, hat viele Ursachen, die ich hier nicht im einzelnen schildern kann. Die Sache steht so, dass wir zu einer Verständigung erst kommen können, wenn die Araber die Schaffung des jüdischen Palästina als fait accompli betrachten werden. Solange ihre Politiker die Hoffnung hegen können, die jüdische Einwanderung zu verhindern, werden sie keine Verständigung wollen. Die antizionistische Haltung der englischen Militärs, die Auflösung der jüdischen Truppen, Intriguen von aussen und schliesslich die Sperrung der Immigration im Sommer 21 — dies alles hat die Hoffnung der Araber immer wieder belebt. Von diesen Zusammenhängen war in meinem Aufsatz die Rede, nicht vom Wesen des Militarismus. Und auch nicht davon, ob „5000 Mann etwas nützen, wenn nicht hinter ihnen eine reale in wirtschaftlichen Faktoren sich ausprägende Macht steht". (Uebrigens sind 5000 jüdische Soldaten in Palästina eine Macht). Solange die Juden an Zab! so gering in Palästina sind, wird immer die von Kutzinski bemerkte „Diskrepanz" bestehen, ob man von einer jüdischen Armee und einem Judenkönig, oder ob man nur von unbeschränkter Einwanderung und Förderung jüdischer Kolonisation spricht. Wir wollen mehr, als der augenblicklich vorhandene Jischuw auf Grund seiner eigenen Stärke verlangen könnte. Die Araber wollen es uns nicht geben —1 darin besteht die Diskrepanz, und darum haben wir die Hilfe einer Grossmacht gesucht. Wenn die Engländer morgen von Palästina fortgehen, so werden die Araber sich mit uns auch nich1 verständigen — im Gegenteil, sie werden uns bei der ersten Gelegenheit die Hälse abschneiden. Diese Haltung der Araber wird sich erst ändern, wenn wir stark genug geworden sind, uri ihnen durch ein Bündnis etwas bieten zu können. Der Weg dahin führt über die unter englischem Schutz vor sich gehende wirt-