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Der jüdische Student · 1924-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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176 Bemerkungen zur Lage II Religiösen. Wenn ich vorhin sagte, dass wir nicht romanlisch sentimental, nach Art der nationalistischen deutschen Jugend, die ihre Götter und Ritterzeit zurückersfchnt, auf unsere Vergangenheit zurückblicken dürfen, so geschah es in dem Bewusstsein, dass vielleicht die Formen, sicher aber nidir der Gehalt des Judentums erschöpft ist. Wir fühlen heute, vor allem Dank Buber, dass das Judentum unserer Jugend noch grosse, ungelöste Probleme aufgibt, Probleme, die nur im eignen Lande zu lösen sind. Es sind das altbekannte Dinge, die ich nur andeuten wollte, um den Gegensatz zu Lichiheim herauszuheben. Seine Methodik ist alt, überwunden, wohin sie \im Grossen führt, die Weifgeschichte' der Gegenwart. Die Gefahr einer solchen Betrachtungsweise unserer Lage wollte ich beleuchten. Bemerkungen zur Lage II. Von Richard Lichtheim, Berlin IL Zwischenspiel. Es ist immer ein Fehler, gegen nebensächliche Einzelheiten eines Aufsatzes zu polemisieren, wenn man zu seinem eigentlichen Thema nichts zu sagen hai. Kutzinskis Kritik gehe an dem wesentlichen Inhalf meiner „Bemerkungen zur Lage*' in der vorigen Nummer des J. St. vorbei. Ich habe in jenem Aufsatz in grossen Zügen die politische Lage des Zionismus dargestellt, habe auf den politischen Rückschlag hingewiesen, den wir in den letzten Jahren zweifellos erlitten haben, und als ein Merkmal dieses Rückschlages auch die Auflösung der jüdischen Truppen erwähnt. Ich bemerke dabei - in der stillen Hoffnung, durch solche gelegentliche Hinweise das politische Denken ein wenig anzuregen, das bei uns seit Jahren von impotentem Dogm engeseh wäfz totgemacht wird, — dass die politische Bedeutung jenes Vorgangs von den meisten Zionisten nicht verstanden wurde. Kutzinskis Bemerkungen zeigen, dass auch er diese Bedeutung nicht verstanden hat. Die von ihm aufgerollten Wdtanschauungsfragen können dabei ruhig aus dem Spiel bleiben. Wichtig zu wissen ist, dass die Engländer die Aufstellung jüdischer Truppen erst gefördert, 5000 Mann mit dem Magen-David an der Mütze im eroberten Palästina einquartiert und dann diese 5000 Mann wieder entiassen haben — nicht aus Idealismus, sondern weil General Alienby ein Gegner des Zionismus war und der jüdische Mohr nach Hause geschickt werden sollte, nachdem er im Kriege sein,e Schuldigkeit getan hatle. In dieser gefährlichen Situation 'wurde durch grössten Energieaufwand die Entscheidung von San-Remo erzwungen, die nur das fast schon verlorene Terrain wenigstens zum Teil wiedergab. Von diesem Verlauf der Dinge war die Rede, von nichts anderem. "Ob der Militarismus als Prinzip gut oder böse ist, die Frage habe

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