Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Bemerkungen zu Lichtheims Aeußerungen über die Lage 175 gegnen, hat sich die Leitung versagt. Wir Uneingeweihten wissen nicht, warum. Ob aus mangelnder Voraussicht? Ob aus dem Gefühl der Kraft und Sicherheit heraus, weil man sich im Schutze Englands wähnte? Ob deshalb, wei! man sich nach Art der anderen civilisierten Völker über ererbte Rechte der Einwohner hinwegsetzen zu können glaubte? Was. es auch sei, es handelt sich hier nicht um irgend eine Kritik, denn dazu fehlt es vir, wie gesagt an Tatsachenmaterial. Es handeL sich nur um 6 .-{Stellung, dass die Leitung der Situation nicht Herr geworden b n erklärt ja Lichtheim, dasdie erstrebte Verständiguno' mit den /ern versucht werden kann und muss; aber die Araber wollen es; Jit, weil wir ihnen nichts zu bieten haben. Es folgt daraus, dass man ihnen durch Leistungen, zeigen muss, was wir ihnen wert sein können. Durch Leistungen, und nicht durch Vie'redigkeit. Ist aber die offizielle, durch Buber angeregte Erklärung des 12. Kongresses über unsere Stellung zu den Arabern Gerede? Gewiss nicht! Es ist nur beklagenswert, dass sie nicht schon gleichzeiiig bei der Erteilung des Mandats abgegeben wurde. Hier scheint mir die Wurzel des Uebels zu liegen. Ich wäre auf Lichtheims Ausführungen nicht eingegangen, wem: mich nicht grundsätzliche Anschauungen dazu bestimmten. Der Geist, der Lichtheims Darstellung erfüllt, ist der des „altbewährten Systems". Seine Methodik ist die der Diplomatie und des Militarismus. Er hat für die „spintisierende Jugend* und für die idealen Forderungen, wie sie u. a. Weltsch vertreten hat, nur Spott und überlegenes Lächeln. Diese Uebernahme der Methoden der Umwelt, das Bedürfnis, sich ihnen anpassen zu wollen, oft unter dem Vorwande des Müssens, weil diese Methoden angeblich die einzige Realität darstellten, ist gefährlich. Mir scheint hier eine Verkennung des Wesentlichen unserer Aufgabe und unseres Seins zu liegen. Wollten wir nur einige Millionen Juden in ein staatliches Gebilde zusammenfasen, wollten wir nur alte Lebensformen neu erwekken, wollten wir nur zurückschauend, aus irgend welchen alten Erinnerungen heraus, eine alte Form neu prägen, so bestünden Zweifel, ob unsere Ziele berechtigt wären. Wirtschaftliche und seutimentalromantisc^e Faktoren können und dürfen nicht das Entscheidende sein. Es handelt sich um eine grössere Aufgabe. Mit der Gewährung des Mandats ist der Rahmen geschaffen, um diese Aufgabe erfüllen zu können. Es ist nicht en-scheidend, welche Struktur dieser Rahmen hat. Wesentlich ist: die Umgestaltung unserer Menschen, um unserem Tun einen neuen Sinn zu geben. Es wird darüber geklagt, dass die Kraft unserer Idee an Ausstrahlung * und Erfüllung des Einzelnen gelitten habe. Die nationale Idee hat, wenn auch in bescheidener, uns enttäuschender Form, ijire politische Gestalt gefunden. Erneuerung des . Menschen im Lande ist aber jetzt die eigentliche Aufgabe. Damit ist naturgemäss die wirtschaftliche Erschliessung des Landes eng verbunden. Aber schon die We^e und Methoden, wie diese zü geschehen h^t, führen zu der Fei \rimg der Neugestaltung des Verhälfnises des Einzelnen zur Gc<i.. Jieit und zum Göit icheu, zum