Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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74 _ Einige Jiemerkungen zu Lichtheims Aeußerungen über die Lage Einige Bemerkungen zu Lichtheims Aeußerungen über die Lage. Von Arnold Kutzinski, Königsberg. Als einer der vielen, d e es oft schmerzlich empfunden haben, die Tatsachen meist in etwas einzeiliger Darstellung übermittelt zu bekommen, freue ich mich, dass L i c h t h e i m , aus der Fülle seiner Sachkenntnis heraus, ein objektives Bild der jetzigen Lage entwerfen will. Das hindert mich aber nicht, über einzelne der von ihm vorgebrachten Behauptungen meine Verwunderung auszudrücken. Seine Aeusserungen geben Anlass zu emer grundsätzlichen Stellungnahme. Lichtheini entwickelt die Auffassung, dass die jüdischen Truppen in Palästina für unsere Position von Bedeutung gewesen wären. Für den Unbefangenen erscheint das Vorhandensein von 5000 Mann einer Masse von waffengeübten Arabern gegenüber als völlig bedeutungslos, ist es wirklich wahr, dass mit Hilfe dieser Truppe die Juden eine Macht repräsentierten? Ist diese Auffassung nicht vielmehr dei Ausdruck einer Einstellung, die von den üblichen Machtmethoden dej Umwelt bestimmt wird? Was nützen 5000 Krieger, wenn nicht hinter ihnen eine reale, in wirtschaftlichen Faktoren, in Menschenzahl und Menschenmateriai sich ausprägende Macht sieht? Dieser politische Realismus erinnerä an den der nationalistischen deutschen Jugend. Das Verhängnis der Situation scheint mir nicht in der Auflösung , jener Truppe, sondern darin zu bestehen, dass wir bei der Erteilung des Mandats vom König der Juden sprachen, von dem Palästina, das so jüdisch werden muss, wie England englisch. Diese Diskrepanz zwischen wirklichen G rundlagen und unseren Wpnschvors*ellungen, diese Neigung zu Rhetorik und pathetischer Geste auch bei unserer Leitung hat bei uns selbst und der Umwelt jene Enttäuschung ausgelost, die jetzt so schwer auf uns lastet. An Stelle langsamer, infiltrativer Arbeit versuchten wir Gewaltsamkeiten zu se.zen. Man könnte die Methodik der Gewalt, wenn auch nicht billigen, so doch begreifen, wenn man ein Instrument, zur Ausübung dieser Gewalt besessen hätte. Besassen wir ein solches Instrument? Auch die Auffassung, die Lichiheim über die# Beziehungen zu . den Arabern entwickelt, kann nicht befriedigen. Es is[ schwierig, ohne eingehende Kenntnis des Landes, der Psyche der Araber und ihrer sozialen Schichten, ihren Beeiniiussbarkeit durch Hetzer und Verläumder, durch Geld u. a —- ein sicheres Urteil abzugeben. Ueberb'ickr man aber die der zionistischen Masse in den zionistischen Organen zur Zeit der Deklaration übermittelten Daten, so stehen obenan die bereits citienen Aeusserungen von dem rein jüdi sehen Palästina. Es erscheint nichts natürlicher, als dass die eingesessene zahlemnässig stärkere Bevölkerung darauf so reagiert, wie wit es erlebt haben. Die politisch bewusst Erlebenden, die sich und ihre Interessen gefährdet glauben, die Effendi, die Landbesitzer usw. wekhen bei der Masse Abwehrinstinkte. ihnen rechtzeitig zu be-