Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537788--6117-3544248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
156 Aus der Arbeit des Präsidiums III. Propaganda. Noch ein bedeutsames Moment für uns sehe ich im Sport, das ist seine propagandistische Wirkung. Wir leben heute im Zeitalter des Sports, und die sportliche Leistung ist ein grosser Faktor für die Wertschätzung einer Sache. Es ist aus propagandistischen Gründen sehr wichtig, wenn jüdische Sportsleute gut abschneiden, sei es in Einzelwettkämpfen, sei es bei Gesamtwertbewerben, wie Potsdam-Berlin. Ein günstiger Platz des Bar-Kochba bei Potsdam-Berlin, oder die Meisterschaft eines jüdischen Athleten, Fussballklubs oder Boxers können unserer Sache mehr Menschen, mehr Geld, mehr Sympathien und Achtungserfolge einbringen als. viele grosszügige Werbeaktionen. Es ist dies eine Erfahrungstatsache, die mir sicherlich viele bestätigen werden. Und für uns gibt es nicht viel wichtigeres als Menschen und Geld zu bekommen. Auch sind solche sportlichen Erfolge das beste — weil schlagendste — Kampfmittel gegen den Antisemitismus mit seiner Behauptung der körperlichen Degeneriertheit der Juden, die eben am besten durch Tatsachen zu widerlegen sind. Solche Erfolge flössen bei der heute in Deutschland so verbreiteten Psychologie selbst dem erbittertsten Gegner Achtung ein, weil hier Juden als Juden Leistungen aufweisen. Wie wir sehen, gibt es genug positive Werte, die uns veranlassen sollten, der sachgemässen sportlichen Erziehung einen grösseren.Rahmen im Kartell zuzuweisen, als das bisher der Fall ist. Die Jugend der Nachkriegszeit hat die Formen des alten Kartells zerbrochen, ohne neues an deren Stelle setzen zu können. Es hat schwer darunter gelitten, aber hier liegt der Weg zu neuer Form und neuem Inhalt, die Möglichkeit, das Kartell auf breitere, gesundere Basis zu stellen. Ich betone nochmals, ich will hier keine hohle einseitige Einstellung auf die körperliche Erziehung propagieren — das Kartell ist kein Sportverein und darf niemals ein solcher werden; aber der Sport soll im Kartell einen grösseren Raum in der Erziehung einnehmen, ohne dass deswegen Hebräisch, Kurse, kurz die geistige Ausbildung darunter zu leiden haben. Dass wir in ihm einen wertvollen erzieherischen Lehrmeister haben, der wohl imstande ist, uns unserem Ziel ein ganzes Teil näher zu bringen, glaube ich durch diese Zeilen zeigen zu können. Aus der Arbeit des Präsidiums. Als ein, wenn vielleicht auch nur äusserliches Symptom dafür, dass sich im Laufe des letzten Jahres die Kartellstimmung tatsächlich gehoben hat, darf die Tatsache angesehen werden, dass das Interesse an dem Werden unseres Bundes, dem Stand und der Arbeitsleistung seiner einzelnen Gruppen wieder ein starkes und lebendiges ist. Es treten in letzter Zeit fast täglich Bitten an uns heran/ doch eine eingehende Information über die wichtigeren Stadien unserer Arbeit zu