Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sport als gemeinschaftsbildender Faktor 155 auch seiner Gemeinschaft — sei es Verein, sei es Nation — zum Siege, Ansehen zu verhelfen, die Triebkraft zu höchster Leistung. . In viel höherem Masse kommt dieses Moment aber bei Mannschaftswettkämpfen — welcher Art auch immer — zur Geltung. Es. liegt klar auf der Hand, dass die Mitglieder einer Fussball-, Hockey¬ oder Rudermannschaft durch gemeinsames Training und gemeinsamen Kampf in engere persönliche Fühlung kommen und hier das Persönliche gänzlich hinter dem Gemeinsamen zurücksteht, dass jede noch so glanzvolle Einzelleistung zwar ein Teil des Ganzen ist und sein darf und nur der Gesamtheit zugerechnet wird. In vielleicht noch stärkerem Grade ist das bei Stahelläufen, insbesondere den grossen Werbeveranstaltungen wie Potsdam-Berlin, Grunwald-München usw. der Fall. Wer jemals ein derartiges Rennen mitgelaufen ist, weiss wieso. In einer Staffelmannschaft von fünfzig Mann tritt der Einzelne überhaupt nicht hervor, er kann sein schönstes, schnellstes und glanzvollstes Rennen laufen, es würdigt doch keiner diese Leistung, denn hier gilt nur die Gesamtleistung der Mannschaft, des Vereins, die sich aber gerade aus diesen fünfzig Einzelleistungen zusammensetzt. Und was sind das für Leistungen, wie wird hier gekämpft! Es wird wohl niemals und nirgends mit solcher Begeisterung und Aufopferung an eine Sache herangegangen», wie beispielsweise an Potsdam-Berlin. Hier kommt es nicht auf die fünf bis zehn grossen Könner, die Kanonen des Vereins an, hier ist die Masse und der Geist das Entscheidende, die Leistung jedes Einzelnen im Rahmen der fünfzig Mann. Und hier wird auch jeder, selbst der Schwächste und Indolenteste, von der allgemeinen Begeisterung zur Sache mitgerissen und angefeuert, auch das letzte, das allerletzte aus sich .herauszuholen und eher zusammenzubrechen als aufzugeben und dadurch den Sieg zu gefährden. Was spielen bei einer Gesamtstrecke von fünfundzwanzig Kilometer zehn bis zwanzig Meter, was bei fünfzig Mann einer für eine Rolle, könnte der Unbeteiligte, der Flaue denken, niemals aber jemand der zur Mannschaft gehört. Er weiss, was ein Mann, was zehn bis zwanzig Meter bedeuten, er weiss, neunundvierzig Kameraden vertrauen ihm, glauben, dass wie sie auch er sein bestes hergibt, um der gemeinsamen Sache zum Siege zu verhelfen, und keiner versagt, lässt die anderen im Stich. Täte ers, er wäre kein rechter Sportsmann. Das ist der hohe ethische Wert des echten Sports, dass er uns die Begeisterungsfähigkeit, den Willen zur Aufopferung für eine genieinsame Sache gibt und uns lehrt, für eine Idee das Letzte an Kraft ailS uns herauszuholen. Das ist das Menschenbildende und Erzieherische am Sport, dass er so für die Gemeinschaft wirkt. Wir sollen solch ungeheure Werte nicht angenutzt für unsere Sache lassen, -'ir sind wirklich nicht reich genug an Ideen und Formen. Der Sport erzieht und formt die Menschen gerade so, wie wir sie für Patostina brauchen.