Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Der Sport als gemeinschaftsbildender Faktor schenspurts — absolviert, dann vielleicht ein paar Würfe oder Sprünge macht, eine Stunde Faust-, Hand- oder Schlagbali spielt und befriedigt nach Hause geht. Diese Art des Sporttreibens ist besser als garnichts, führt aber nicht zu einer wirklichen sportlichen Leistung. Sport heisst Kampf, Sport heisst Höchstleistung, Sporttreiben heisst: aus seinem Körper herausholen, was in ihm an körperlichen und geistigen Möglichkeiten steckt. Sport verlangt vom Menschen das Letzte, verlangt Anspannung aller Energie und Willenskräfte, kennt keine Müdigkeit und Erschlaffung. Ein sportlich geschulter Mensch wird in Fällen, in denen andere unter einem Uebermass von Anstrengungen körperlich und seelisch zusammenbrechen, immer noch soviel Energie aufbringen, um mit einem letzten Zusammenreissen aller Kräfte auch diese Schwierigkeit zu überwinden. Ich kann mir keine bessere Schule für die schweren Anforderungen, die Palästina an die jüdische Jugend stellt, denken als die des Sports mit seiner Fähigkeit, aus Körper und Geist durch äusserste Anspannung auch das letzte an Kraft herauszuholen. Ich möchte hierzu nur auf die glänzende Bewährung der mehr sportlich als militärisch vorgebildeten angelsächsischen Soldaten im Felde gegenüber den nur militärisch vorgebildeten Soldaten der Kontinentalmächte hinweisen. Wenn ich also die Intensivierung des sportlichen Trainings verlange, d. h. die Einstellung auf das Kampfmoment, — denn nur dieses ist imstande Höchstleistungen (nicht Rekorde!) hervorzubringen —so tue ich es nur aus solchen Gesichtspunkten heraus, und will nicht etwa einem Cracktum das Wort reden. Wir müssien also nicht nur häufiger sondern auch sportlicher trainieren, weniger spielen, mehr kämpfen. Um hierzu einen grösseren Anreiz zu schaffen schlage ich vor, das K.J.V.-Sportfest nach Art jährlich auszutragender Meisterschaften auszugestalten, ferner in gewissen Abständen zwischen zwei oder drei benachbarten Verbindungen gelegentlich von Treffahrten Wettkämpfe auszutragen. Es wurde auch schon verschiedentlich angeregt, die Bedingungen zur Erwerbung des Deutschen Sportabzeichens zu erfüllen. Diese, in sportlicher Beziehung Mindestforderungen, sind von jedem Sporttreibenden bei etwas sachgemäßem Training erreichbar, setzen eine gute Allgemeindurchbildung voraus und vermeiden die oft schädliche Einseitigkeit. II. Sport als Gerneinschaftsbildner. Hat Sport wirklich gemeinschaftsbildenden Charakter? Fast könnte man das Gegenteil annehmen. In der uns am nächsten liegenden Sportart, der Leichtathletik, liegt anscheinend ein etwas eigenbrödlerischer Zug, der nur auf die Einzelleistung eingestellt ist, nur danach strebt, Vio Sekunden schneller zu laufen, oder 10 cm weiter zu springen oder zu werfen als der Andere. Es ist diese Sucht nach dem Rekord eine nicht immer sehr erfreuliche Erscheinung. Aber auch hierbei ist häufig der Wunsch nicht nur sich selbst, sondern damit