Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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H8 Zur Alt-Herrenfrage len, mitschuldig machen an diesem Mangel jeglichen Veräntwortlichkeitsgefühls? Es kann keinem, der noch einen Wert in diesem Kartell und seiner Alt-Herrenschaft sieht, leicht fallen, all dieses hier niederzuschreiben. Es ist aber nötig, dass einmal alle diejenigen, die das gleiche empfinden, sich zusammenfinden und berufen fühlen, hier eine Aenderung vorzunehmen. Es gilt jetzt, nach zehnjährigem Bestehen des K.J.V.s sich Rechenschaft abzulegen von dem Erreichten, die Bilanz zu ziehen, selbst auf die Gefahr hin, dass es sich herausstellt, sie wurde ungünstig ausfallen. Und wahrlich, dieser Posten der K.J.V.-ßilanz ist ein starker Debelposten. Iiier ist eine Verwässerung erfolgt, der bald eine gründliche Sanierung folgen muss. III. Dieser trostlose Zustand hätte nicht zu kommen brauchen. Gewiss liegt er zu einem geringen Teil in den Verhältnissen der Kriegs- und Nachkriegszeit begründet. Doch darf man. dabei nicht vergessen, dass bei Lektüre der damaligen Hefte des J. St. auch ein anderer Eindruck entstehen könnte. (Man sehe sich den Palästina-Aufruf und dessen Diskussion an, man lese in zahlreichen Nachrufen für unsere Toten Sätze der Beteuerung, dass gerade der Tod so vieler der unserigen die anderen verpflichte nach dem Kriege sich ganz unserer Idee und unserer Aufgabe zu widmen. Nur so könne man das Angedenken unserer Toten ehren.) Aber diese Beteuerungen sind bald vergessen worden, nur auf einigen Tagungen, bei ausserordentlichen Gelegenheiten erinnerte man sich, schlug sich an die Brust und sagte: „Oschamnu". Das war alles! Soll eine vollständige Reform hier eintreten, so genügt dieses nicht mehr. Die Zeit der Appelle und Aufrufe, die Zeit der Bewährungsfrist ist vorbei. Die Alt-Herrenschaft des K.J.V. muss sich heute zur Entscheidung stellen, ob ja, d. h. schaffender Zionist, ob nein, d. h. Prozionist, günstigsten Falles vielleicht Mitglied einer Ortgruppe, Schekelzahler, aber nicht mehr. Es ist nötig, dass hier nochmals die primitivsten Voraussetzungen gesagt werden, da dieselben anscheinend vergessen sind. Die erste, bedeutendste und sogar alleinige ist diejenige: Zionismus ist keine Weltanschauung, die ja bekanntlich billig ist und zu nichts verpflichtet. Zionismus ist Leben, Kampf, der dauernde Bewährung verlangt. Wer schon bei Maasserzahlung und den anderen finanziellen Anforderungen von Opfern spricht (man, kann dieses schon bei Beitragszahlungen immer wieder hören),'der ist sich der Bedeutung unserer Aufgabe nicht bewusst. Dies alles ist so banal, dass man sich zwingen muss, es hier zu sagen. Aber wer von uns hier im Gallith darf von Opfern reden, wo Menschen aus unserm Kartell, Bundesbrüder, ohne von Opfern zu sprechen, in Jadjur unter Fieber und Entbehrungen Erez Israel bau er)?