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Der jüdische Student · 1924-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Zur Alt-Herrenfrage 147 sich zusammen zu schliessen hätten. Man gründete den Uebersiedlungsfonds, der gut zu arbeiten schien und auch heute noch verhältnismässig gut arbeitet, aber leider das einzige positive Ergebnis der „Kadimah" darstellt. Und sonst? Auch hier ging der leitende Bundesbruder fort, und stiller, immer stiller wurde es, bis auch die „Kadimah" langsam aber selig entschlief. Denn kaum merkte man,, dass derjenige Bundesbruder, welcher dank seiner überlegenen Persönlichkeit den Zusammenhang hergestellt hatte, den man respektierte, dem gegenüber ein gewisses Schamgefühl und schlechtes Gewissen bestand, kaum merkte man, dass dieser nicht mehr sein Augenmerk auf jeden einzelnen lenkte, so schlief dieses eben erst erwachte Gewissen wieder ein, einer nach dem anderen verdrückte sich und verschwand, nur ein kleines Häuflein blieb zurück und versuchte nun, einen Kreis zu bilden, in dem man „sich nahe kommen" kann. Das Grcs aber vergass, dass man damals bei der Gründung, beim Eintritt, einen Treuschwur abgelegt hatte: Verpflichtung zu Maasser an Zeit und Geld. iMan sagte, die neue Leitung sei schlecht, tat sich genug daran, dieses freudig konstatieren zu können, und war ja dadurch von jeder Verpflichtung, von jeder Verantwortung enthoben. Was kann es dann noch Wunder nehmen, dass auch die Bezirksverbände, die ja ohnehin nur immer auf die Initiative einer Zentralstelle warteten und vielleicht auch warten mussten, langsam aber sicher auseinanderfallen. Wer dachte dem* dort noch an regelmässige Zusammenkünfte, wer hielt es überhaupt noch der Mühe wert, über gemeinsame Aufgaben nachzudenken? — Es soll hierbei nicht verschwiegen werden, dass es arbeitende Gruppen, sehr gut arbeitende Gruppen Alter Herren in einigen Städten gibt, ein Beweis also, dass der allgemeine Zustand nicht notwendig zu sein braucht. Man mag für diesen Zustand die Entschuldigung anführen, dass während der Inflationszeit jeder einzige Bundesbruder so schwer mit wirtschaftlichen Sorgen zu kämpfen hatte, dass er vollkommen absorbiert wurde. Gut, doch ist seit einem halben Jahr die Lage anders und weite Kreise des Kartells haben nicht mehr mit wirtschaftlichen Nöten zu kämpfen und haben Kopf und Hand frei. Wie lange noch soll dieser unwürdige Zustand dauern? Der Name des KJ.V.ers, der einst innerhalb des deutschen Zionismus ein Ehrenname war, wird von den in der zionistischen Öffentlichkeit arbeitenden KJ.V.ern am liebsten verheimlicht, weil sie sich belastet fühlen, weil man sie mit Recht mitverantwortlich macht für die Sünden derjenigen, die immer auf Appelle warten, aber am nächsten Tage wieder in den alten Schlendrian verfallen. Hierbei muss einmal in der Öffentlichkeit des Kartells die Tatsache konstatiert werden, dass es K.J.V.er gibt, die die elementarste Pflicht des Zionisten, die Maasserpflicht nicht erfüllen, trotzdem sie dazu in überreichem Masse in der Lage wären. Wie lange noch will die Alt-Herrenschaft diesen Zustand dulden, wie lan.ge noch will sich der Alte Herr, der überhaupt noch den Anspruch erhebt, in gewisser Hinsicht ein Erziehungsvorbild darzustel- 10*

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