Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Alt-Herrenfrage 145 glauben an die Wahrheit der Antwort: Palästina für alles, was jüdische Seele und Wirklichkeit ist. So hat das KJ.V. erst dann seinen Ausdruck gefunden, wenn es, wie ich bereits oben sagte, einen zwar schmalen, aber von unten bis vbcn führenden Schnitt durch die gegenwärtige jüdische Welt darstellt, oder anders: die starke Galuthorganisation ist, die dauernd Menschen und Energieen nach Palästina sendet. Das ist nichts Theoretisches, nichts Neues, es ist ja das, was im ganzen Volke vorgeht. Aber seinen bewussten Ausdruck hat dieser Zustand noch nirgends in aller Klarheit gefunden. Diesen in seiner Organisation zu finden, ist eine wirkliche Aufgabe des Kartells. Sie der Lösung nahe zu bringen, dient dem Kartell und direkt und indirekt Palästina. Zur AlMierrenfrage. Von Paul Hirsch, Ruder-V. J. St. Berlin A. H. I Sie harrt wieder einmal der Lösung, die Alt-Herrenfrage, der Lösung, die schon oft gesucht, doch noch nie gefunden wuide. Gehört sie doch zu den, leider im Zionismus nicht seltenen Problemen, die zehnmal und noch öfters ohne Erfolg zu lösen versucht werden, bis schliesslich der Zwang der Verhältnisse die Lösung finden lässt Es muss jedoch auch gesagt werden, dass die bis jetzt unternommenen Lösungsversuche im Grunde falsch angelegt und ohne weitere Perspektiven waren. Ein einziger Versuch ist auszunehmen, das ist derjenige auf dem 1. Kartelltag des K.J.V. im Jahre 1919, als in einem auch heute noch in vielen Punkten zu Recht bestehenden Referat Bbr. Marlin Ascher die Diskussion über dieses Thema eröffnete. Doch der damalige Termin war ungünstig. Die Zeit der politischen Hochspannung, der persönlichen Gegensätze Hess eine rein nüchtern sachliche Ueberlegung dieser Frage nicht zu. Und so schlief das Interesse langsam wieder ein, um während und nach der Fusion, teils durch deren Vorgänge, teils durch die Initiative einiger weniger Bundesbrüder für kurze Zeit wieder aufzuflackern. Bald aber erlosch das Feuer wieder anscheinend, um nie mehr aufzuleuchten. Doch nur anscheinend. Denn nie war dieses Problem für das Kartell und den deutschen Zionismus so brennend wie jetzt Noch nie rief ein Kartell so dringend nach seiner Alt-Herrenschaft, wie es das heutige K.J.V. ruft, sowohl aus praktischen Momenten, wie auch aus theoretisch-ideologischen Erwägungen. Und andererseits glaube ich, dass innerhalb der Alt-Herrenschaft wieder mehr von der Erinnerung des K.J.V.-Erlebnisses — es spielt dabei keine Rolle ob V.J.St. oder K.Z.V. — wach wird, jene inneren Stimmen, die nicht nur herklingen aus den Sentiments des Bundesliedes und Treueschwurs auf dieser 10