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Der jüdische Student · 1924-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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Entscheidung 131 und am Ende ist er fähig, um nacheinander Vertrauensmann des N. F., OrtsgruppejnseJvreiär, Vorstandsmitglied, K-H.-Propagandist und Mitglied des Landesvorstandes zu werden (so etwa die zionistische Laufbahn eines strebsamen Zionisten). Hierbei ist ihm an keiner einzigen Stelle Gelegenheit geboten, eine entscheidende Haltung zu politischen Dingen einzunehmen, ausser wenn er Delegierter auf irgend einer Tagung ist, — aber da er zum Block der allgemeinen Zionisten gehört und im Galuth keine „Partei" anerkennen will, so hütet er sich ganz besonders bei dieser Gelegenheit, seine neutrale Stellung aufzugeben. In der Tat ist er nämlich zur wohlwollenden Neutralität in zionistischen Dingen erzogen worden. Er kennt alle historischen und alle gegenwärtigen Richtungen und Strömungen und ist glücklich darüber, dass wir es endlich zu einem „synthetischen" Zionismus gebracht haben. Dabei ist es aber merkwürdig, dass.unser Zionist eine grosse Zahl von „Sympathien" besitzt, nämlich zu den» Dingen, die just gegenwärtig für den allgemeinen Zionismus förderlich zu sein scheinen. Und an dieser Stelle, meine Freunde, ist der Erziehungsfehler sichtbar. Bei aller Kenntnis, bei aller Sympaüe finden gar so wenige unserer Merkschen den Mut zur Entscheidung, den Mut zur eindeutigen St-ellungsnahme ein für alle mal für die Dinge, die sie zu Recht erkannt haben. Warum nennt ihr kapitalistisch sympathisierende Zionisten (wenn es wirklich welche gibt) euch nicht „kapitalistisch"? Warum scheut ihr, die Palästina als die Staue der neuen Religion ansehn, davor zurück, dies als Ziel eurer Politik im Zionismus zu erklären (sof~rn dies überhaupt möglich ist)? Ja, warum seid Ihr grosse Schar sozialistisch eingestellter Zionisten in Deutschland immer noch nicht fähig, den Anschluss an den Hapoel Hazair zu finden? Weil Euch die Kraft des Entschlusses, der Mut zur Entscheidung fehlt, weil Ihr nicht zur Selbständigkeit erzogen wurdet. Sympathisieren sei gestattet, aber klare, eindeutige Stellungnahme, davor scheut Ihr zurück! Ich denke, es ist nicht nötig, euch an dieser Stelle das wohlbekannte Programm des Hapoel Hazair auseinanderzusetzen. Es ist selbstverständlich, dass Ihr in manchen Dingen dissentieren werdet. Aber es geht hier um die grossen Richtlinien und ihr dürft schon zugeben, dass die „Partei" euch erziehen wird (um einem Gedankeiv gang Eduard Bernstein zu folgen). Ihr müsst nur einsehen, dass Eure Erziehung, die euch Anteilnahme an allen zionistischen Dingen empfahl, Euch hindert, diese letzte Entscheidung zu fällen. Als Ihr Zionisten wurdet, war es eine wesentliche Einschränkung eures unbeschränkten Wirkungskreises. Nun schränkt Euch von neuem ein. Und wie aus der ersten Begrenzung eine Steigerung eures Menschentums erwuchs, so wird aus dieser zweiten eine Steigerung eures Zionismus erwachsen. Wäre es nur diese individuelle Bedeutung für Euch selbst, die euer Anschluss an eine Fraktion hätte (und ich meine vornehmlich den Hapoel Hazair, zu dem ohne Zweifei eine ganz grosse Zahl deutscher Zionisten hinneigen), so wäre diese Sammlung zu den Fahnen 9*

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