Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Entscheidung überwinden sind, die Bewegung nur so lange dauern, wie diese Iinpuise gegeben werden. Wirklich finden wir bei vielen unseren Menschen, dass ihr Zionismus nicht weiter reicht als wie ihre Fuxenstunden. Mir scheint sogar, dass innerhalb des politisch wirkenden Kreises der Organisation die Zahl der Menschen, die immer von neuem der Stösse von aussen bedürfen, unvergleichlich grösser ist, als die Zahl der Stossenden. Nehmen wir als Beispiel, das Verhältnis zwischen Exekutive und Landsmannschaft. Hier erwartet sogar einer vom andern den Impuls. Und diese wirft jener, jene dieser Mangel an Initiative vor, verlangt Anregungen, ein Programm. Ebenso ist das Verhältnis zwischen Landesvorstand und Ortsgruppen, zwischen Ortsgruppen und Mitgliedern. Es ist dank einer falschen oder wenigstens einer mangelhaften Erziehung unseres Nachwuchses ja wohl so weit gekommen, dass es fast überall an politisch handelnden und politisch urteilenden A4enschen fehlt, die z. B. als Ersatz für die nach Palästina übersiedelnden bisherigen Führer einspringen können. Und dabei ist es nicht etwa so, dass unsere Menschen zu wenig wissen. In dieser Richtung liegt das Manko keinesfalls. An Kursen aller Art, an Literatur und Presse haben wir in der letzten Zeit keinen Mangel gehabt. Nun war sicherlich „Erschütterung" keineswegs nur so gemeint, dass ein äusserer Impuls den jungen- Menschen in den Zionismus hineinstossen sollte, sondern er sollte nur als ein Erschütterungszentruni die Eigenbewegung auslösen, oder er sollte wenigstens eine Richtung geben. Und wenn wirklich ein zur Aktion fähiger Mensch erschüttert tief in seiner Seele wurde, wenn die richtunggebende Erziehung ihm Wege weisen konnte, auf denen er seine Kräfte in den Dienst des Volkes stellen sollte, selbst dann versagte die Erziehung in dem Augenblick, wo die Selbständigkeit des Entschlusses verlangt wurde. Nehmen wir die Chaluzim und dis zur Chaluziuth entschlossenen Menschen aus, denn ihr Ideal ist die Disziplin, die völlige Unterordnung, ihnen ist ihre Marschroute eindeutig vorgezeichnet, so wird von den Anderen keinerlei Aktion in höherem Sinne, keine „politisch" aktive Einstellung verlangt. Sie sind, gleichsam wie die Wehrmacht im Militärstaat, von der Politik befreit. Man missverstehe es nicht. Unsere Chaluzim sind gleichwohl politische Menschen (oft die einzigen) aber nicht in ihrer Eigenschaft als Chaluzim, sondern eher vielleicht auf Grund ihres einseitigen Bekenntnisses. Nehmen wir sie aus, so bleiben in dem Mischmasch der allgemeinen Zionisten gar wenige, die ein klares politisches Ziel für die zionistische Organisation vor Augen haben. Ich spreche dem allgemeinen Zionisten weder Opfersinn noch Tacbereitschaft, weder zionistisches Empfinden, noch zionistische Tätigkeit ab. Aber den meisten fehlt die Kraft zum politischen Entschluss. Ihre Politik ist durchaus eine opportunistische, diktiert von den Notwendigkeiten des Augenblickes. Betrachten wir uns etwa die Entwicklung eines jungen Zionisten. Er lernt sehr viel, er wird körperlich und geistig ausgezeichnet trainiert, er weiss kritisch, abzuwägen, gewinnt Distanz, wird routiniert