Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Entscheidung 129 ben würden. Und das soll eine politische Forderung sein! Denkt sie euch einmal einen Augenblick realisiert. Was käme schliesslich dabei heraus, wenn sich der tobende Kampf in den jüdischen Reihen gelegt hätte? Es bliebe alles beim Alten. Wir können nämlich jetzt schon in Deutschland unsere kulturellen Einrichtungen so regeln, wie wir es wollen, können Schulen gründen u.s.w. In Wirklichkeit haben wir in Deutschland das Mass von Freiheit, das wir haben wollen,, und müssen nur auf der Wacht sein, dass es uns nicht wieder genommen wird. Wir sind heut in unserm Kampf für Recht und Freiheit in die Defensive gedrängt. Wir müssen ihn, verbunden mit den Juden aller Richtungen, entschieden führen. Das ist jüdische und daher selbstverständlich auch zionistische Pflicht. Wir sind darüber einig, dass der Kampf widerlich ist, und dass wir eigentlich Besseres zu tun hätten, dass er aber geführt werden muss. Nun wollen wir uns aber durch diese Arbeit nicht noch innerlich schädigen lassen, indem wir alle deutschen politischen Fragen, an denen wir wie :eder deutsche Bürger teilhaben, sub specie des Judenhasses ansehen. Noch einmal: Positive jüdische Politik innerhalb Deutschlands gibt es nicht, sondern nur negative, nämlich Erhaltung unsres Rechts und unsrer Freiheit gegenüber dem andrängenden Judenhass. Also wäre eine zionistische Reichspolitik nichts als Kampf gegen den Judenhass. Da das absurd ist, wiederhole ich: Es gibt keine zionistische Politik im Rahmen der deutschen Politik. Eine positive zionistische Gakithpolitik hat ihren Kampfplatz in der jüdischen Gemeinde, wo es gilt, die Juden zu erobern. Entscheidung! Von Alfred Berliner, Fürstenwalde (Spree) Ich glaube, dass die Erziehung unserer jungen Zionisten, die neuerdings „politisch" genannt wird, wie sie früher „konkret" genannt wurde, ein grosses Manko aufweist. Ich glaube auch, dass dieses Manko von den Erziehern, wie vcn den Erzogenen deutlich empfunden wird, und ich glaube ferner, dass es beseitigt werden kann. Versuchen wir, dies deutlich zu machen und den Weg der Abhilfe zu finden. Nehmen wir ruhig an, dass das Ziel jener Erziehung richtig sei, dass es in der Tat die Aufgabe des K.J.V. (bzw. der Zionistischen Organisation) ist, ihren Nachwuchs zu Männern, also zu vollwertigen, selbstbewussten, aktionsfähigen, zu politischen Menschen zu erziehen. Wenn die Erziehung nur in jener Erschütterung bestände, die (nach Blumenfeld) die Geburt einer zionistischen Seele einleitet, wenn dieses einmalige Erlebnis nur in einem einzigen Sioss von aussen her oder auch in einer fortlaufenden Reihe von Impulsen bestände, so würde bei den erheblichen Widerständen, die zu 9