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Der jüdische Student · 1924-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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128 Zionismus und Reichstag Ich wende mich, um es noch einmal in aller Schärfe zu sagen», ausschliesslich dagegen, dass man eine zionistische Talmipolitik konstruiert, wo es keine zionistische Politik gibt. Ich wende mich dagegen, wie zwei massgebende Bundesbrüder von der Wahl zum deutschen Reichstag, also von deu.scher Politik, sprechen und dabei bewusst die Berücksichtigung deutscher Gesamtinteressen negieren. Ich sehe darin ein Symptom, dass sie sich selbst aus dem Staatsverbande innerlich losgelöst haben. Und dies bedeutet, abgesehen von seiner politischen. Wirkung, eine innere Verarmung, eine Aufgabe natürlicher Bindungen. Es gibt geiiug Menschen, die ihre Verpflichtungen nicht erfüllen und doch vergnügt leben. Zu denen wollen wir doch aber nicht gehören? Nicht wahr? Früher erschien uns ein Punkt unsrer Argumentation unumstösslich richtig, nämlich folgender: Die zionistische Erziehung, die uns dazu bringt, persönliche Vorteile aufzugeben, um unserm Volke zu dienen, führt uns auch gegenüber dem Staate zu einem höheren Verantwortungsgefühl. Dies werden mir nun wohl die meisten zugeben, aber heftig empört werden viele darüber sein, dass ich sogar keine zionistische Galuthpolitik anerkenne. Liebe Bundesbrüder, die ihr empört seid: Wir stimmen ja in fast allem Praktischen überein. Nur redet Ihr daneben von Dingen, die nicht existieren, und ich rede gern nur von Dingen, die existieren. Ihr redet v.on Dingen, die nicht existieren, und kommt schliesslich, soweit Ihr zum praktischen Handeln gezwungen seid, .zu denselben Resultaten, zu denen ich komme, der ich nur von Dingen rede, die existieren. Weil auch Ihr letzten Endes politisch nur mit existierenden Dingen rechnen könnt. Wenns zur Praxis kommt, lässt man gern die aufgebauschte Theorie zu Hause. Wenn ith von unserm Recht und unsrer Freiheit innerhalb Deutschlands rede, so umfasst das mehr, als man beim ersten Hinhören glaubt. Unsre Freiheit bedeutet nämlich die Möglichkeit, unsrer Eigenart entsprechend zu leben. Dazu gehört z. B. auch die Möglichkeit, unsre Kinder in eine jüdische Schule zu schicken. Ich bin durchaus für die jüdische Schule, weil ich die Kinder gern vor den ungeheuren seelischen Gefahren des Antisemitismus schützen, und ferner auch, weil ich ihnen die Richtung aut ein positives Judentum geben möchte. Besonders das Erste ist wichtig. Bei dem Zweiten besteht ein gewisses Bedenken, nämlich der innerjüdische Zwiespalt. Dies ist der Grund, weshalb ich von diesem Spezialgebiet kurz sprach. Wir alle wissen, dass es innerhalb des Judentums, und nicht zum wenigsten in Deutschland, kulturell unüberbrückbare Widersprüche gibt. Solange man aebeneinander lebt und die einzelne Richtung ihre speziellen Institutionen hat, kommt man mit einander leidlich aus. Wehe aber, wenn etwas gemeinschaftlich gemacht werden soll! Und min durchdenkt mal erneut eure Forderung: Autonomie. Ich rede sratürlich nur von kultureller Autonomie, denn die politische Autonomie ist nichts als ein dummes Schlagwort unsrer Fuxenstunden. Ja, durchdenkt die kulturelle Autonomie und denkt euch mal für sie ein Programm aus, das auch nur 51% der deutschen Juden un erschrei-

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