Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus und Reichstag 125 bensbedingungen, Bedürfnissen und Erlebnissen offenbart (Achad Haam). Womit unsere Lebensbedingungen verknüpft sind, wohin unsere Bedürfnisse zielen, und wo wir auch am lebenskräftigsten sein können, — dem ist wieder und wieder nachgegangen worden«. Man kann das aber auch in der impulsiven Art ausdrücken, wie wir es in den Aufzeichnungen Ramsay Macdonalds über Palästina gesagt finden, und alles zusammenfassen in den beiden« Sätzen: „Das Wesen des Juden verlangt, dass er sich diesem Lande zuwendet. — Er ist unserer unfruchtbaren Streitigkeiten m ü d e." Zionismus und Reichstag, Eine Entgegnung von Ernst Pinner, V. J. St. Maccabäa, Berlin, A. H. Zwei Bundesbrüder haben im „Jüdischen Studenten" die Frage behandelt, ob und wie ein Zionist zum Reichstag wählen solle. Obwohl die Einstellung beider Verfasser durchaus dieselbe ist, glaubte sich die Redaktion bei dem Aufsatz von F o e r d e r , der einen wesentlichen Fehler des anderen Aufsatzes vermied, eine gegensätzliche Auffassung vorbehalten zu müssen*). Den Aufsatz von Bbr. Blum druckte sie dagegen Widerspruches ab, offenbar im wesentlichen einer Ansicht mit ihm. Dies ist natürlich letzten Endes g eichgültig. Schliesslich sind beide Aufsätze in ihrer Tendenz so durchaus bekämpfenswert, dass es auf Nuancen schon gar nicht ankommt. Ich glaube nur, aus dem erwähnten Redaktionsvermerk schliessen zu müssen, dass die Redakäon und mit ihr eine grosse Anzahl Bundesbrüder den Standpunkt der Aufsätze billigen. Zunächst: Die Resultate der beiden Aufsätze sind letzten Endes richtig. Ich bin ebenfalls dafür, dass man links wählt. Aber das Resultat ist mir völlig gleichgültig, wo die Einstellung zu dem ganzen Fragenkomplex falsch ist. Beide Bundesbrüder stellen mit grossem Scharfsinn Ueberlegungen darüber an, ob man als Zionist wählen solle. Ich fasste mich an den Kopf und fragte mich vergeblich, wie eine derartige Selbstverständlichkeit ein Problem sefcn könne. Sind wir Bürger des Deutschen Reiches oder nicht? Wir sind's doch, nicht wahr? Oder ist jemand andrer Ansicht? Nein? Gut. Also ist die Frage damit erledigt. Keinerlei Scharfsinn bedarrs. Ich weiss, es gibt einige Zionisten, die sich innerlich infolge ihrer jüdischen Einstellung von den deutschen Problemen so weit enifernt haben, dass sie glauben, eine Unehrlichkeit zu begehen, wenn sie wählen. Diese Zionisten mögen sich ruhig der *) Anm. d. Red. Die von Bbr. Pinner angeführte Bemerkung der Redaktion zu dem Artikel von Bbr. Foerder diente allein dem Zwecke, den Eindruck zu vermeiden, dass der Artikel eine offizielle Stellungnahme des Präsidiums bedeute.