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Der jüdische Student · 1924-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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122 Zu unserem Staatsbürgerin mat wecken und den Sinn für Geschichte und Tradition. Wie steht es nun aber mit der geforderten Maximalleistung — ob der. deutsche Durchschnittsbürger sie erkennt und anerkennt, darf uns nicht massgeblich sein, — die auf Grund der heutigen Situation notwendig erscheint? Wir stellen also auf der einen Seite fest, dass innerste Anteilnahme an allem politischen Geschehen; in Deutschland und in deren Folge entsprechende Rührigkeit Forderung des Tages ist, auf der anderen Seite, dass wir als Zionisten unserem Gefühl, unserem Denken und nicht zum geringsten unserer Zeit nach dem nicht genügen können. Dieses Problem, das durch die politische Teilnahmlosigkeit, wie wir sie in Deutschland in weiten Kreisen bei allem Partehärm wahrzunehmen gewohnt sind, eigentlich nicht so sehr aktuelle Bedeutung hat, verschärft sich, wenn wir wirtschaftliche Dinge einbeziehen. Hier ergeben sich Feststellungen, die für uns von besonderer Wichtigkeit sind, wieder in Betrachtung dessen, dass gerade wir uns alle unsere staatsbürgerlichen Prinzipien rein erhalten müssen. Für alle Fragen der Wirtschaft spricht in gleicher Weise, wie wir hervorhoben: Was hier in Deutschland getan wird, muss so getan werden, dass es auch drüben gelten darf. Skrupellosigkeit in der Tendenz — der Zweck heiligt die Miitel, — ist zu gefährlich als Parole für Masse*); wenn mit zweierlei Mass gemessen wirl, kann zuletzt vergessen werden, welches das eigentlich rechte war. Erziehungstendenzen „auf Abruf" sind eine Unmöglichkeit. ' Uns wird es im heutigen Deutschland nicht leicht gemacht Wir leben in einer Umgebung, der der Begriff einer Wirtschaftsmoral zumeist verloren ging. Arbeiterverantwortlichkeit, Bewusstsein für soziale Fragen sind eine Seltenheit, es gibt gemeinhin kaum mehr in Deutschland eine Steuermoral in dem Sinne, dass es sich doch darum handelt, den- Ausgleich für das Budget des eigenen Staates zu finden; schliesslich am allerdeuiichsten spricht der Hinweis auf den Währungsverfall und die einzelnen Stadien, die er durchmachte. W7o war ein Empfinden dafür, dass eine Währung eine nationale Sache ist? All diese Erscheinungen, angewandt auf eine Zeit, da Palästina in Nöten sein könnte, wie würden sie auf die Welt wirken! Im Hinblick auf solchen Vergleich kommt uns vielleicht erst das rechte Bewusstsein für die Gefahr, in die uns die letzten Jahre in Deutschland bringen können. Wenn wir nicht jetzt schon die Begriffe einer sozialen Moral, einer Steuermorai, einer Währungsmoral als in Deutschland zur Zeit fehlend empfinden, plötzlich zu deren Erkenntnis zu kommen, wird nicht angehen. (Wir sollten auch wissen, dass man in Deutschland keineswegs durch Währungsstabilisierung und Goldnotenbank dem letzten Begriff beispielsweise nähergekommen ist. die strikte Forderung auf Geltenlassen eines Disparitätsagio von 10—15 % in einem Zeitpunkt gerade nach Erholung der Rentehmark, we:st andere Wege.) *) Anm. d. Red. Jedesmal, wenn ein Zionist das Wort „Masse" ausspricht, sollte er sich an ein Wort von Schopenhauer erinnern: „Zur Masse gehört immer einer mehr als jeder denkt".

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