Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Solelboneh, d>e Baugilde Palästinas 119 oebnis war, dass der Misrad zu dem weitaus grössten Unternehmen des Landes geworden war, der 2000 gut ausgebildete Arbeiter beschäftigte. Als die Chausseebauten sich ihrem Ende zuneigten, begann der Misrad seine zweite Periode, den Häuserbau. „Binjan" war die Losung- Und wieder waren die Cbawerini gezwungen, das neue und zukunftsreiche Unternehmen mit ihren Leiden zu erhallen. Denn der Bau ist ein schon sehr viel komplizierteres und spezialisierteres Gewerbe. Vor allem können hier auch nicht grössere Arbeitergruppen beschäftigt werden, sondern die Arbeit ver.eilt sich auf kleinere Gruppen, die selbständig vorgehen müssen. Die Umstellung von 2000 Chausseearbeiiern zu 2000 Bauarbeitern war wiederum nur durch die Hingabe und Disziplin der Chaluzim möglich. Aber — während die privaten Baugesellschaften bald zu Grunde gingen — gelang auch dieses. Und selbst als der Baumarkt, der infolge der mit übertriebenen Hoffnungen und im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Kolonisation in zu grossem A\asse begonnenen städtischen Kolonisation in sehr weitem Rahmen sich entwickelt hatte, übersättigt war, als Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit von drei und selbst einem Tage in der Woche ersetzten, konnte diese Krise den Misrad nicht zu Fall bringen. Heute ist aus dem Misrad die von der Regierung bestätigte Genossenschaft auf Aktien „Solelboneh" geworden. Sie, der grösste Unternehmer, geht heule daran, sich die verwandten Industriezweige, in Steinbruch, Ziegelei, Schlosserei, Tischlerei, Installation usw. anzugliedern. Sie hat so die Möglichkeit, tausenden von jüdischen Arbeitern Beschäftigung zu bieten. Ebenso wie das System der Arbeitersiedlungen, in der Landwirtschaft, ist Solelboneh in der Stadt der wichtigste Stützpunkt des zionistischen Siedlungswerks geworden. Während schon heute in den privaten Bauunternehmungen sich eine Tendenz zur Verdrängung der jüdischen Arbeit durch arabische bemerkbar macht, ist das Organ der Arbeiterschaft, der wirklich zuverlässige Träger des nationalen Siedlungswerkes. Darüber hinaus bildet er einen wichtigen sozialen Faktor. . Er ähnelt in seinem Aufbau den englischen Baugilden. Auch bei ihm sind die einzelnen Betriebe keine selbständigen Wirtschaftseinheiten. Nicht nur, dass die Beschaffung der Rohmaterialien zentral erfolgt, es bestehen auch Abmachungen zwischen der Zentrale und ihren Filialen, nach denen z. B. 75 % der Gewinne, die auf unverschuldet günstigen Resultaten der Untergruppen beruhen, in die Zentralkasse fHessen. So bildet er eine neue Form, eine soziale Form sui generis. Uebei Zusammenhang und Bedeutung für das Ziel, die Gemeinwirtschaft der jüdischen Arbeiter in Palästina (Chewrath owdim) soll später ausführlich berichtet werden. Natürlich ist die Organisation des Solelboneh noch nicht ideal. Die letzte Konferenz hat an verschiedenen Einzelheiten starke Kritik geübt. So müssten, vi^le Fertigfabrikate nicht gekauft, sondern in eigenen Betrieben für Tischlerei, Metaiiarbeit, Installation, Färberei usw. hergestellt werden. Nicht nur würden dadurch die Bilanz verbessert, die Wirkungssphäre vergrössert werden, sondern es liegt auch in der