Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Solelboneh, die Baugilde Palästinas 117 hörten bald auf, Genossenschaften zu sein. Es trat jener eigentümliche Prozess der Transformation ein, der darin bestand, dass die Genossen, die die Gründer des Betriebes waren und das Risiko der Anfangszeit getragen hatten, nun bei Vergrcsserung der Genossenschaft nicht neue, gleichberechtigte Genossen, sondern Lohnarbeiter aufnahmen. Durch diesen Gruppenegoismus wurden die Genossenschaften in kapitalistische Unternehmungen mit mehreren Inhabern verwandelt. Der einzige Versuch, eine an,dere Organisationform zu finden, die diesen Umwandlungsprozess unmöglich macht, der von Louis Blanc während der französischen Revolution von 1848 unternommen wurde, wurde gewaltsam unierdrückt. So war die Situation, als der englische Gildensozialismus entstand. Er ist ein neuartiger Versuch der Arbeiterschaft, allmählich, von unten her, die Macht über die Wirtschaft zu gewinnen, Das Ziel, die volle Sozialisierung, die naturale Gemeinwirtschaft, erfordert, dass die gesamte Produktion pianmässig und an den realen Bedarf der Volkswirtschaft angelehnt durchgeführt wird. Der Gildensozialismus will einen Produktionszweig nach dem anderen erobern. Sein Prinzip ist dabei, dass die Gewerkschaft, bisher nur eine Schutzorganisation, nun zur Eigenproduktion übergeht. Die Gewerkschaft gründet, um es grob zu sagen, Produktivgenossenschaften. Diese sind nun aber — und das ist der springende Punkt — nicht mehr einzelne, auf sich gestellte, selbständige Betriebe, sondern Organe der Gewerkschaft, die in dieser Funktion der Eigenproduktion Gilde genannf wird. Der einzelne Arbeiter der Genossenschaft ist ihr Angestelker, und nur als Mitglied der Gewerkschaft auch Inhaber, wie jedes andere Mitglied der Gewerkschaft. Er erhält also über seinen Lohn hinaus keine Dividende. Allerdings ist er besser gestellt als die Arbeiter in privaten Unternehmen, weil er z. B. bei den englischen Baugilden die Tage, in denen er infolge Krankheit oder schlechten Wetters nicht arbeiten kann, bezahlt erhält. Alle Kooperativen der betreffenden Gewerkschaft bilden so als deren Organe eine gemeinsame Einheit. Ueberschüsse und Defizite werden in der Zeniralkasse ausgeglichen. Der Reinertrag wird nicht durch Auszahlung an einzelne zersplittert, sondern kann, da er in den Händen der Gewerkschaft, die die gesamte Arbeiterschaft repräsentiert, verbleibt, zum weiteren Ausbau dieses Systems sozialistischer Betriebe dienen. Die Möglichkeit der Transformation ist, abgesehen davon, dass jeder Grund dafür entfällt, ausgeschlossen. Die Ergebnisse dieses Systems in England waren gleich im Anfang überaus günstige. So stellte sich schon bei der Fertigstellung der ersten für die Gemeinde Bentley-with-Arksey in vier Monaten errichteten Häuser heraus, dass sie nicht ganz 760 Pfund kosteten, was gegenüber den privaten Batiunternehmungen eine Ersparnis von 200 Pfund bedeutete. Woher dies rührt, geht aus dem Bericht eines Privatunternehmers hervor, der sich eingehend mit den englischen Baugilden beschäftigte und feststellte, dass bei Gildenbauten der einzelne Arbeiter bis zu doppelt so viel Steine in einem Tag legt, wie als Arbeiter eines kapitalistischen Unternehmens. Das Bewusstsein, im Auf-