Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Bemerkungen zur Lage käme in Frage. In den politisch günstigen Momenten ist in dieser Hinsicht alles versäumt worden. Kehrt eine bessere Konjunktur wieder, so muss sie genutzt werden. Diese bessere Konjunktur scheint sich jetzt vorzubereiten — ihr Kommen hängt wesentlich davon ab, ob die jüdischen Kräfte in den nächsten Jahren zu sichtbaren Leistungen und Fortschritten ausreichen — auch ohne materielle Hilfe von englischer Seite. Ich denke, dass die Voraussetzungen, für solche Fortschritte gegeben sind. Das jüdische Interesse an Palästina ist stark genug, um — sagen wir einmal — ein bis zwei Millionen Pfund jährlich für die Kolonisation aufzubringen. Damit kann man nicht sehr viel, aber doch Beträchtliches leisten, gute Verwaltung und vernünftige Wirtschaftsmethoden vorausgesetzt. Davon wird noch zu reden sein. Kommen wir aus eigener Kraft sichtbar vorwärts, so festigen wir auf absehbare Zeit unsere in den letzten Jahren zeitweise schwer erschütterte politische Position, innerhalb des englischen Imperiums und bereiten die zur eigentlichen Jüdischen Kolonisation Palästinas" unentbehrliche wirtschaftliche Mitarbeit Englands vor. Diese zu erreichen wird den wesentlichen Inhalt der künftigen zionistischen Politik bilden. Die Zeit der Deklarationen ist vorüber. Was Balfour und Lloyd George uns in dieser Hinsicht geboten haben, kann icht überboten werden. Um aus diesen Deklarationen Wirklichkeit zu machen, ist nun gestaltende Wirtschaftspolitik nötig. (Weitere Aufsätze folgen.) Solelboneh, die Baugilde Palästinas. Von Rudolf Samuel, Berlin. Der Gedanke der Baugilden ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass das System der städtischen Produktivgenossenschaften reformbedürftig sei. Die Produktivgenossenschaften sind ein düsteres Kapitel in der internationalen Arbeiterbewegung. Mit Ausnahme seltener Fälle, wo die Genossen gleichzeitig durch ein ausserwirtschaftliches Band zusammengehalten wurden, wie z. B. gewisse Genossenschaften in Nordamerika, deren Mitglieder Brüder bestimmter religiöser Sekten waren, gab es bis vor kurzem keine Beispiele geglückter Produktivgenossenschaften. Dort, wo sie infolge Arbeitslosigkeit oder Aussperrungen und Streiks gegründet wurden, um den Arbeitern n«ur eine Beschäftigung zu ermöglichen, gerieien sie naturgemäss sofort in eine ökonomische Krise hinein, sodass sie bereits in kurzer Zeit dem wirtschaftlichen Konkurrenzkampf unterlagen. Andere sahen sich bald einer erbitterten Gegnerschaft übelwollender Konkurrenten gegenüber, die diese neue Wirtschaftsform erst gar nicht aufkommen lassen wollten. Die aber, die allen Widerständen zum Trotz sich durchsetzen konnten*