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Der jüdische Student · 1924-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Bemerkungen zur Lage 115 Aber eben diesen Schutz und diese Duldung brauchen wir als wichtigste Voraussetzung unserer Arbeit. Ihre Gewährung hat in letzter Zeit schon genügt, die Araber zu ernüchtern, die Hoffnungen der Juden zu beleben. Das Aergste ist überstanden. In Jerusalem und London ist Beruhigung eingetreten. We have turned the corner. Aufgabe unserer künftigen Politik muss sein, die Duldung in wirkliche Förderung im Sinne des Mandates zu verwandeln. Wie kann das geschehen? Und worauf müssen wir zunächst unser Augenmerk lenken? - Sicher ist, dass wir nicht das Pferd beim Schwanz aufzäumen und daher heute nicht die Wiederherstellung jüdischer Truppen fordern können. Diese im ersten Ansturm errungene Machtposition werden wir nicht so bald wieder gewinnen. Heute müssen wir versuchen — immer im Schutze Englands — unsere Wirtschaftspositionen zu erweitern, die Einwanderung zu vergrössern, die Produktion des Landes zu heben. Sichtbare wirtschaftliche Leistungen in den nächsten Jahren werden die englische Regierung — wie immer sie aussehen mag — in der Ansicht bestärken, dass die Förderung des Zionismus die richtige Palästinapolitik war. Allmählich wird dann die palästinische Verwaltung dahin gebracht werden können, das Mandat so auszuüben, wie es ursprünglich gedacht war: nämlich die jüdische Kolonisation nicht nur zu überwachen und zu dulden, sondern aktiv zu fördern. Vielleicht wird dann auch wieder die Möglichkeit gegeben sein, in London zionistische Wirtschaftspolitik zu treiben. Diese Seite unserer Politik ist von Anfang an vernachlässigt worden. Unsere Leitung hat immer nur dahin gewirkt, von den Regierungen prozionistische Erklärungen zu erhalten. Sie hat niemals ein Wirtschaftsprogramm mit der englischen Regierung vereinbart, das uns die wirtschaftliche Entfaltung des Landes im grossen Stil ermöglicht hätte. Dr. Weizmann hat stets die Meinung vertreten, dass wir keinerlei finanzielle Forderungen an England stellen, sondern die ökonomische Entwicklung Palästinas ganz aus eigener Kraft bewirken müssen. Ich habe diesen Standpunkt prinzipiell stets für falsch gehalten, wenngleich bemerkt werden muss, dass heute, nach den politischen Rückschlägen der lelzten drei Jahre, wenig Aussicht aui materielle °Hilfe Englands besteht. Aber die Situation war von 1918 bis 1921 eine völlig andere. Wohl wirkten in Palästina die Militärs gegen uns — aber in London wollte man den Judenstaat. Damals gab es zumindest die Möglichkeit, mit England über ein Programm wirtschaftlicher Kooperation zu verhandeln — doch dies Programm wurde nie entworfen, der Versuch wurde nicht gewagt. Und doch ist der Gedanke naheliegend und ganz vernünftig, die englische Regierung, die Palästina verwalten und entwickeln, zugleich aber das „national hörne" fördern soll, für eine materielle Beteiligung an der ökonomischen Entwicklungsarbeit zu gewinnen. Wie dies im einzelnen geschehen kann, will ich hier nicht erörtern. Konzessionen jeder Art, kostenlose Ueberlassung von Ländereien für Siedlungszwekke, ja selbst die Garaniie des Zinsendienstes einer jüdischen Anleihe 8*

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