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Der jüdische Student · 1924-04-01 · Heft 4-5 (April 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 4-5 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
[Seite] (sequence 52)
Language
German
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110 Aus dem Kartell gedeiht. Und das alles trotz hingebender Arbeit der führenden Bundesbrüder, trotz reicher Möglichkeiten der Freundschaft und Arbeit. Heute ist das Bild ein anderes. Eine selten günstige Zusammensetzung aus guten älteren Burschen, die sich bis zum letzten mit verantwortlich fühlen und aus Füxen, die einer disziplinaren Einordnung in unsere Gemeinschaft nicht mehr so fremd gegenüber stehen, wie wir es früher hier gewohnt waren, eine Reihe sehr tätiger Alter Herren, denen allerdings eine Mehrzahl solcher gegenüberstehen, die auch während des Semesters keinen Zusammenhang mit uns gewinnen konnten. Die Aktivitas gleicht einer einzigen, grossen Leibfamiliej in mehr als bbrdl. Freundschaft verbunden. Trotz der Ungunst grosstädtischer Verhältnisse waren die Bundesbrüder fast Abend für Abend miteinander und es herrschte ein Gefühl der Einstimmigkeit, das ernsthafte Differenzen nicht aufkommen Hess, eine Arbeitsfreude, die eines äusseren Zwanges nicht bedurfte. Man hat oft genug im Kartell zu erklären versucht, warum das Verbindungsleben schlecht war und wir freuen uns, diesmal sagen zu können, warum es gut war: Weil 2 Dinge stark waren: Das Gefühl menschlicher Zusammengehörigkeit und das Bewusstsein des gemeinsamen überpersönlichen Zieles. Wir sind sehr viel gewandert, haben die Freitagabende zusammen verlebt und die Abende unserer grossen Leibfamilie, der dank vieler neuer Leibverhältnisse fast alle Aktiven angehören. So hat sich insbesondere unsere Fuxenschaft, die sich durch 3 Aktivmeldungen zu Semesterbeginn auf 6 erhöht hat und sich durch weitere drei in jüngster Zeit weiter vergrössern wird, ganz bei uns eingelebt und stellt jetzt schon einen festen Stamm für die Zukunft dar. Unser Gemeinschaftsleben war beherrscht von dem Willen zionistischer Pflichterfüllung. Wohl zum ersten Mal beteiligte sich eine Kartell Verbindung in relativ grosszügiger Weise * unter Leitung von Bbr. Erlanger am Keren Hajessod; auch die Arbeit in der Ortsgruppe wurde zum grossen Teil von uns durchgeführt, und eine starke, aktive Einstellung auf Palästina wurde fühlbar, die aber kurz oder lang bei einer Reihe von Bundesbrüdern zu positiven Ergebnissen führen dürfte, was bei einigen auch schon der Fall ist. In wissenschaftlicher Hinsicht war dann auch der Palästina-Kurs von A. H. Estermann der Höhepunkt unserer Arbeit Estermann, ein genauer Kenner des Landes, führte uns — auch die älteren Burschen — in aktuelle Fragen des Aufbaus in geradezu vorbildlicher Weise ein. Tendenz für Füxe gab Bbr. Silbert. Eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung stellte ein jüdisch-politischer Kurs dar, den A. H. Zadik leitete. Die Bundesbrüder, mehrere Alte Herren und geladene Gäste diskutierten dort im Anschluss an Referate, die teils von uns, teils von Gästen gehalten wurden» Probleme jüdischer Politik und Kultur. Obwohl die Beteiligung der Gäste nur unregelmässig und der Stoff gegen Ende einigermassen erschöpft schien, können wir eine ähnliche Veranstaltung doch gut empfehlen, zeigt diese doch, welch reiche, auch kulturell-zionistische Betätigungsmöglichkeit im Rahmen des Kartells den Alten Herren gegeben ist. So gehört auch der Kurs von A. H. h. c. Bloede über jüdische Geschichte z. Zt. des Hellenismus zu den besten im Laufe der letzten Semester. Er fand im Rahmen des Nationaljüdischen Jugend-Ausschusses statt, der, von A. H. Arnsdorf gegründet, im wesentlichen von uns und älteren Blau-Weissen getragen ward. Die Vorträge des Ausschusses waren öffentlich. Wir traten auch sonst mehr hervor als - früher. An der Universität sind wir einem antisemitischen Angriff durch eine Beschwerde an den Universitätssenat erfolgreich entgegengetreten.

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