Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Körperliche Erziehung im K. J. V. 103 Bileski „Erziehung zur Mannhaftigkeit" (externer J.St. vom November 1914) hinweisen. Die dort erhobenen Forderungen haben noch heute Gültigkeit für unser Kartell. Bileski zeigt, dass unsere Aufgabe, die „Verjüngung" des jüdischen Volkes und die Gewinnung seiner Jugend, nicht durch „hohlen gesellschaftlichen Formalismus" sondern nur durch den Geist der Jugendbewegung gelöst werden kann. Damit sollte nicht gesagt werden, dass das K.J.V. sich zur Jugendbewegung entwickeln müsse, wohl aber, dass sich Jugendlichkeit und Mannhaftigkeit nicht nur nicht ausschliessen, sondern dass sie zusammengehören. In diesem Sinne wurden Leibesübungen und Wandern als regelmässige Veranstaltungen in allen Korporationen verlangt. Der Krieg unterbrach diese gesunde Entwicklung, der erste Friedenskartelltag beschloss die Abschaffung der studentischen Formen, ohne sie durch neue und bessere zu ersetzen. Die vom Präsidium getriebene Sport-Propaganda war eine geistlose Assimilation an gleichzeitige Bewegungen im deutschen Volk und führte zu einer Expasionspolitik, £n deren Folgen wir jetzt noch zu leiden haben. Als diese Welle verrauscht war, herrschte wieder die alte Unklarheit. Der Mangel an gemeinsamen Formen und das Unvermögen, diese zu finden und durchzusetzen, war gleichzeitig Symptom und Anreger des Verfalls. Kleine Kreise des Kartells sahen ein, dass eine Verjüngung von anderer Seite her kommen musste, das der sogenannte „Sportgeist" nicht zum Geist, sondern zur Oberflächlichkeit erzog, sie glaubten an den Geist der Jugendbewegung. Man kam auf diesem Wege zur Gründung der Jung-Ivria, zum K.J.V.-Camp, schliesslich zur Fusion. Die Jung-Ivria, die Camps, die Fusion sind missglückt. Dieses Versagen lag vielleicht in der Uebenreibung des Prinzips, nicht aber in seinem Wesen begründet. Die Zeit der Depressionen, da man in Wüsten floh, weil nicht al!e Blütenträume reiflen, ist Gott sei Dank vorüber. Mit unbefangenem Blick gilt es in die Vergangenheit zurückzuschauen, um für die Zukunft zu lernen. Der Aufbau des Kartells geschieht heute weder durch die Gründung von Jugendgruppen, noch durch Fusion mit dem Blau-Weiss. Unsere Aufgabe ist die Neugründung unserer alten Verbindungen, und deren Fusionierung zu einem Bunde. Dieser neue Bund. K.J.V., ist keine Jugendbewegung, sondern eine politische Gemeinschaft. Unsere politischen Erziehungsformen bleiben wie bisher, Kurs, Konvent und Kartelltag. Auf der anderen Seite wollen wir uns aber die Erfahrungen, die wir durch die Auseinandersetzung mit der Jugendbewegung gewonnen haben, für unsere Zwecke nutzbar machen: Unentmutigt und gereift durch Misserfolge werden wir wieder den Weg beschreifen, der rückwärts in die besten Zeiten unseres Kartells, vorwärts aber mehr denn je nach Palästina führt. Man mag gegen die Jugendbewegung noch so viel ins Feld führen: fest steht, dass ihre Lebensformen die Umschichtung in einen landwirtschaftlichen oder handwerklichen Beruf wesentlich erleichtern. Der Schritt von Schillerkragen, auch wenn man ihn nur einmal in der Woche trägt, zum Arbeitskittel, vom Strohlager, auch wenn man nur ein par