Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Körperliche Erziehung im K. J. V. öffentlicht, in der das Kartell durch aussenpolitische Aktionen über seine innere Schwäche hinweggebracht werden sollte. Die allgemein herrschende StimulanzknechtsstLmmung liess eine Beschäftigung mit unseren internen Problemen nicht zu und so verhallte auch dieser Ruf ohne ein Echo im Kanell zu finden. Auf die Gefahr hm, durch die Wiederholung längst bekannter, aber nie durchgeführter Dinge langweilig zu wirken, sei hier noch einmal Grundsätzliches und Praktisches über das Formproblem des Kartells vorgebracht. Wir gingen 1921 von der Feststellung aus, dass sich das K.J. V. immer noch in der Phase beiinde, in der man sich bemüht, die abgeschafften studentischen Formen durch neue und unserem Leben adäquate zu ersetzen. 1924 sind wir noch nicht weiter gekommen. Der Grund liegt nicht etwa an dem Mangel passender Formen, sondern an der Struktur des Kartells. Formen, müssen, um dieses durch häufigen Gebrauch entwertete Wort noch einmal anzuwenden, „organisch aus dem Leben erwachsen", der Ausdruck einer gewissen Lebensstimmung sein. Das Kanell war aber kein organisches Gebilde nicht einmal mehr eine Organisation, sondern ein Sammelpunkt von sich widerstrebenden Elementen. Durch Gewaltkuren erreichte man zwar nicht das, was man eigentlich wollte, aber doch eins: Die Erkenntnis, dass eine Erneuerung nicht von aussen, sondern von innen heraus kommen musste. Diese Erneuerung im Innern, und nur diese, ist unsere augenblickliche Aufgabe. Der Wiederherstellung des organisatorischen Gerüstes muss die bundesmässige Zusammenschmelzung folgen. Wir wollen nicht Orden und Einheitlichkeit, aber Ordnung und Einheit. Es ist kein Zufall, dass der letzte Kartelltag der Altherrenschaft eine gewisse Autonomie erteilt hat, und dass Vertreter der Nachkriegsgeneration die Führung des K.J.V. übernommen haben* es ist das vielmehr das Symptom einer Entwicklung, der man zwar durch die Fusion einen verfrühten und darum falschen Ausdruck gab, die aber doch irgendwie in die Nähe des Blau- Weiss führt. Ich möchte hier das vieldeutige und missverständliche Wort Jugendbewegung eigentlich vermeiden, jedenfalls aber nicht in dem allgemein üblichen Sinne verstanden wissen, wenn ich die Entwicklung des Kartells als Verjagend]ichung bezeichne. Der deutsche Korporationsstudent blickt im allgemeinen verachtend auf die Jugendbewegung herab, er hat für den „Sandalenwahnsinn" nichts übrig. Dass er damic den besten Teil seines Volkes preisgibt, bemerkt er nicht. Es spricht für die Güte unserer Vorkriegskarteile und für den Weitblick gerade der Männer, die wir als Vertreter des alten K.J.V. empfinden, dass sie zwar vieles von den deutschen Studenten, nicht aber dieses Vorurteil übernahmen, sondern im Gegenteil durch die Gründung des Blau-Weiss ihr Verständnis für den Wert der Jugendbewegung bewiesen. Darüber hinaus wurde schon damals der nur bedingte Gehalt der rein korporativen Erziehung erkannt und deren Ergänzung durch Erziehungsmittel, die dem Formkreis der Jugendbewegung altstammten, auch für unsere Bundesbrüder gefordert. Ich möchte hier besonders auf den Artikel von