Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Nachwuchsfrage 97 Jugendgemeinden sind wie Berlin, Hamburg, Königsberg, Breslau, Leipzig usw. usw. Die Voraussetzung für den Aufbau und das Gedeihen solcher KJ-V.-Position sind ohne Zweiiel unsere Werbeerfolge in den nächsten Semestern, wobei wieder betont werden muss, dass ein einmaliger kurzer Zufluss an frischen Kräften ein Tropfen auf den heissen Stein bedeuiet. Wohl und Wehe unserer Arbeit ist gebunden an eine Kontinuierlichkeit in all unserem Tun, eine Kontinuierlichkeit, die mit verbissener Zähigkeit betrieben werden muss, so in der Werbearbeit, in dier Erlernung des Hebräischen usw. usw. Wie wir praktisch-organisatorisch in Zukunft vorzugehen haben, würde hier zu weit führen, das ist auch Sache des Werberessorts im Besonderem. Die jeweiligen Keilwerte sind ja mittlererweile über die geplante Maiaktion usw. genügend informiert. ,* Berücksichtigt man ferner, dass die Erziehungsarbeit des Kartells an unseren Menschen jahrelanges Bemühen erforden, so ist es vera ständlich, dass wir den Neuaufgenommenen, der ortansässig ist, am meisten begrüssen. Wir haben im Laufe der letzten Jahre erheblich darunter gelitten, dass unsere Bundesbrüder an drei, vier und noch mehr Verfcindungsorien ihre K.JA'. Ausbildung genossen, was in Wirklichkeit nichts Anders bedeutet hat als ein dauerndes Gebrechen und Neueinleiten ihrer Entwicklung. Wir wollen nicht in Abrede .stellen, dass Bundesbrüder, die als Nichtdeutsche nach ihrem Studium Deutschland wieder verlassen, für das Kartell wertvoll sind und auch an ihren Heimatsonen für den Zionismus segensreich wirken können, doch darf nie verkannt werden, dass eine Verbindung auf die Dauer von einem Menschengrundstock abhängig ist und dass dieser Grundstock erklärlicher Weise nur aus Ortsansäss;gen sich bilden kann, lieber das Heranziehen eines solchen Verbindungsrumpfes werden immer wieder die wunderlichsten Theoriön aufgestellt und selbst jahrelange Erfahrungen scheinen daran nichts zu ändern. Am häufigsten hört man die Ansicht vertreten, dass man „vorläufig" nicht werben dürfe, ja dass es „sündhaft" sei, neue Menschen dem Kartell zuzuführen, bevor man nicht erst mal die vorhandenen Kräfte (meist drei bis vier Bundesbrüder) fest im K.J.V. verankert habe, bevor man nicht einen „ganz klaren" Weg sehe. Das Resultat solcher Theorien ist aber auch ausnahmsweise das bekannte, dass das Semester, ehe man sich's versieht, zu EPide geht, die Bundesbrüder sich die ganze Zeit „bezähmt" haben, zu werben, da es ja „sündhaft" sei, und das die „Krähe" in alle Winde sich zerstreuen. Die Ferien haben wieder die „Arbeit" „jäh" unterbrochen. Im folgenden Semester müssen bestimmt zwei Bundesbrüder das Examen machen oder wissenschaftlich arbei'en. (Wo bleiben nur die vielen Wissenschaftler iaunsenn Kartell?) So Semester für Semester. Unsere Bundesbrüder sind last durchweg politisch kurzsichtig und denken ausgesprochen unkaufmännisch. .Hätten die drei oben citierten Bundesbrüder fünf bis sechs neue Menschen in das Kartell hineingezogen, so hätten sie nicht gestört gemeinsam mit den neuen Bundesbrüdern das Semester zionistisch zu gestalten. Im Gegenteil, jeder, der aufmerksam das Gemein-