Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Nachwuchsfrage Zur Nachwuchsfrage. Von Bertram Fisher (Ruder-V. J. St. Berlin). Die Notwendigkeit, dem Kartell neue Menschen zu gewinnen, wird immer bestehen. Wir sind Träger einer Bewegung, die vorläufigauf Jahr und Tag* von einer ganz kleinen Gruppe in unserm Volke erzeugt wird. Es liegt also in der Natur unserer Ideen, die die Na- . tion erobern will, begründet, wenn wir sandig erobernd auftreten. Diese Erkenntnis, so banal und selbstverständlich sie ist, ist keineswegs bei allen Bundesbrüdern vorhanden. Innerhalb — und ebenso ausserhalb des Kartells — hat man immer wieder jene gefährliche Anschauung vertreten, dass die Zahl der Zionismen heute bereits ausreiche, um das zionistische Programm durchzuführen!. Wohl ist es richtig, dass die absolute Gesamtheit des jüdischen Volkes durchaus nicht zionisiert sein muss, um Zion für das jüdische Volk wieder aufzubauen — ein solches Ziel wäre auch so gut wie utopisch — e;ne recht starke Teiigruppe der Juden wird aber erforderlich sein, um den Zionismus zu verwirklichen. Zwischen dieser Auffassung und der obigen, die annimmt, dass heute das rein zahlenmässige Propaganda-Ziel der Zionisten bereits erreicht sei, ist ein himmelweiter Unterschied. Man kann garnient dringend genug beschwören, wie gefährlich für uns diese Anschauung ist, da man sich an den Fingern abzählen kann, v/ie wir dabei im politischen Stückwerk stecken bleiben. Für den politisch orientierten Juden, der sich nach einem starken Zentrum sehnt, gibt es auf absehbare Zeit kaum ein wichtigeres Ziel, als die. Verbreitung seiner Ideen unter seinen Volksgenossen. Man kann es als Zeichen der lebendigen Kraft des Zionismus ansehen, wenn bei seinen Jüngern eine starke Expansionslust herrscht. Ein solcher geistiger Imperialismus, der von Menschen ausgeht, die von der Einzigkeit ihrer Ideen durchdrungen sind und glauben, dass nur dieser Weg, den sie gehen, der richtige sei, und dass ihre Brüder nur nach ihrer Facon seelig werden können, gehört nun einmal zur Eigenart des Zionismus. Da sich all dies gesetzmässig aus unsern politischen Vorstellungen ableitet, wird für das Kartell immer die Frage brennend sein: Wie gewinnen wir neue Menschen. Leider muss unsere Nachwuchsfrage heute im Kartell viel bedrohlicher gestellt werden. Das Kartell bieet heute bestimmt nicht —ich spreche nur vom Nachwuchs — das Bild eines Gesunden, der fortgesetzt durch frische Nahrung sich leistungsfähig erhalten muss, wir wissen alle, selbst diejenigen unter uns, die das Kartell wieder optimistischer ansehen, dass wir lange gehungert haben und bis zu einem bedrohlichen Grade erschöpft sind. „Normale Keilzahlen" sind bestimmt etwas durchaus Günstiges für uns, dürfen uns aber nicht darüber täuschen, dass wir viele, viele neue Menschen brauchen, um uns endgültig zu erholen. Wir haben im Präsidium beschlossen, einige wenige Verbindungen nach besten Kräfien zu unterstützen, wobei wir denjenigen Orten den Vorzug gegeben haben, an denen grössere