Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Referat von Herbert Foerder 95 über unserer Werbearbeit stehen mtiss, eine weitgehende Beeinflussung des deutschen Judentums durch Gewinnung einer immer grösseren Anzahl wertvoller Menschen für uns, zu erreichen. Das Kartell kann und muss seinen Aufgabenkreis erfüllen, ohne — dies gegen einige engsichtige Dogmatiker — seine Palästinaaufgabe zu vernachlässigen. In ziemlicher Ausführlichkeit ist die Situation und die Aufgabe des Kartells von mir geschildert worden. Mit diesem Programm treten wir vor Euch, verlangen Eure Stellungnahme und noch mehr, verlangen Euch. Wir sind ein demokratischer Bund, d. h. durch Gesamtbeschluss wird die Richtung unserer Arbeit, unsere Politik bestimmt. Jetzt ist der Augenblick, wo wir uns Euch zur Verantwortung stellen. Euch ist das Schicksal des Kartells anvertraut, Ihr, die Ihr seine Mehrheit repräsentiert, biidet die höchste Instanz für die. Entscheidung seines Geschickes. Wir verlangen, dass Ihr mit ernstem Verantwortung Eure Entscheidung trefft und Euch anschliesst dem Kreis derer, die das Kartell als wahres Kartell wieder aufbauen wollen. Die Fülle Eurer Machtbefugnis über das Geschick des Kartells konzentriert sich auf diesen Augenblick Eurer Entscheidung, Eures Vc* tums. Habt Ihr Euch entschieden, dann verlangen wir Unterordnung/ Nachfolgen, Unterstützung der selbstgewählien Führung. Dann forden* wir, dass Ihr mit Vertrauen, d. h. nicht unter Verzicht auf sachliche Kritik, Euch dieser Leitung unterstellt, mit ihr in einer von uns gemeinsam bestimmten Richtung arbeitet. Dann beanspruchen wir von Euch Liebe für unsere Sache, Leidenschaft, Hingabe, Bereitschaft, das Gefühl des Sich-unbedingt-durchsetzenwollens. Man hat uns vielleicht mit Recht den Vorwurf als zu grosser Nüchternheit gemacht. Ist er richtig, so wird dieser Mangel nicht zu beheben sein durch ein Verringern des Intellekts, sondern durch ein Mehr von emotionalen Kräften. Ihr seid Führer bestimmter kleiner Kreise, für die Ihr verantwortlich und entscheidend seid. Gerade unsere führenden Menschen geben sich aber sehr oft nur mit inneren Vorbehalten, sie kennen nicht die Stimmung des Ganz-sich-gebens, in der man erstarkt, erneut sich wieder findet. Ihr habt das Kartell in der Hand, wenn Ihr versagt, ist unsere Aulgabe im Kartell nicht durchzuführen. Wir gäben damit nicht nur unser K.J.V. auf mit all seinen starken Werten, sondern verlören vor allem eine wichtige zionistische Position, die heute nötiger ist als je. Diesen Zusammenhang wird man niemals vergessen dürfen. Die Entscheidung, die Ihr trefft, habt Ihr nicht nur als KJ.V.er, sondern vor allem als Zionisten zu fällen. Wenn Ihr durchhaltet, werden wir in Bälde ein starkes Kartell haben,, das für bestimmte zionistische Aufgaben durch seine Menschen richtunggebend sein kann. Ich bin kein ideologischer Optimist, aber ich glaube, wir können es schaffen, wenn wir wollen.