Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Aus dem Referat von Herbert Foerder punkt gerückt werden müssen, unser Tendenzunverricht ergänzt wer« den durch gewisse Tatsachenkomplexe zionistischer Praxis. Weiter ist es notwendig mit eindeutiger Klarheit unsere Stellung zu Palästina zu präzisieren, um so mehr, als der vor einiger Zeit von uns veröffentlichte Aufruf verschiedene Missverständnisse — nehmen wir an, dass es nur solche sind — ausgelöst hat. Jener Aufruf wollte nicht die Entwicklung des Kartells zu einer — ich bediene mich der gebräuchlichen, wenn auch etwas primitiven Terminologie — Galuthorganisation proklamieren. Jede zionistische Organisation, gleich welcher Art, ist zum Untergang verurteilt, die im Augenblick, wo Erez Israel Wirklichkeit zu werden beginnt, die besten Menschen unseres Volkes als Schaffende, Aufbauende im Lande tätig sind, an der aktiven Teilnahrae durch Menschen, durch Bereitstellung von Mitteln verzichtet. Diese Ansicht muss sich als unbedingt anerkannte, den einzelnen Menschen .»verpflichtende, im Kartell durchsetzen. Das K.J.V.er-Gut, der Uebersiedlungsfonds bedeuten reale Positionen auf diesem Entwicklungswege. Diese Formulierung entspricht auch der Stimmung unserer Bundesbrüder, die immer stärker von der palästinensischen Wirklichkeit gepackt werden. Wir wissen, dass es noch auf diesem Gebiete Schwierigkeiten mannigfacher Art, auch seeliche Hemmnisse und Bedenken geben wird; unsere Pflicht wird es sein, hier helfend und fördernd zur Seite zu stehen, nicht zuletzt auch durch eine genau zentral geleitete Orientierung und berufliche Informierung über- Palästina. Der persönliche Palästinagedanke wird und muss sich im Karteil immer meihr durchsetzen. Jemand, der die zionistische Ideologie kennt, wird wissen, dass die von uns in jenem Aufruf vorgenommene Abgrenzung eine andere sein sollte. Es war nur ein Bekenntnis zur jüdischen, d. h. sich auf Juden erstreckende Politik im weitesten Sinne, bedeutete die auch heute nicht unbestrittene Erkenntnis,, dass das Galuth einen immanenten Bestandteil unserer Arbeit darzustellen hat. Das Kartell muss an der Nationswerdung des jüdischen Volkes teilnehmen, muss die mannigfachen Sorgen judischer Afenschen kennen und, soweit es in seinen Kräften steht, sie zu beheben suchen. Wir müssen mit der Ganzheit des jüdischen Volkes rechnen und auch dort unsere Kräfte einsetzen, wo nicht ein unmittelbarer, sondern nur ein mittelbarer Zusammenhang mit dem Palästinawerk und den Aufgaben dort' gewahrt ist. Das Kartell muss sich in der ihm adäquaten Sphäre als Repräsentant, als Vertietungsberechtigter und Verpflichteter des jüdischen Volkes fühlen. Wenn beispielsweise in Deutschland ein Kampf um unsere Rechte entbrennen sollte — gewisse Kreise an der Universität Berlin propagieren heute bereits den numerus clausus auch für deutsche Juden — so wird das Kartell sich in die vorderste Front stellen müssen, wie überhaupt eine unsere Hauptaufgaben die dauernde Beeinflussung des Judentums, dem wir selbst entstammen, des deutschen Judentums, sein muss. in den ganz allmählichen Nationalisierungsprozess, den weitere Schichten des deutschen Judentums jetzt durchmachen, muss das Kartell aktiv fördernd eingreifen. Damit kommen wir wieder zu dem Leitgedanken, der