Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Bericht über die Erstchargiertentagung am 2. März 1924 Nach Schluss der General-Debatte fanden in Einzelbesprechungen Aussprachen über verschiedene aktuelle Dinge statt. So wurde 1. über das K.J. V.er-Camp gesprochen, was im August dieses Jahres in Süddeutschland stattfinden soll. In einer weiteren Besprechung wurde über das K. J. V.er- Gwt und den Uebersiedlungsfonds berichtet. Ueber beide Dinge ist söfeon in den letzten Heften des J. St. gesprochen worden und wird hoffentlich bald noch Positives zu berichten sein. Eine 3. Besprechung hatte die Werbe-Arbeit und die Ueberweisungen zu hehandeln. Es wurde beschossen im Mai in den gesamten Kartellorganisationen einen Werbe-Drive zu veranstalten, welcher mit aller Intensität durchzuführen sei. Als Positionen des Kartells sollen folgende Orte im Sommersemester ausgebaut werden: die 3 Berliner Verbindungen, Hamburg, Königsberg, Bonn, Köln, Breslau, wenn iiigsnd möglich Leizpig. Von den Sommer-Universitäten soll eine Verbindung, erfweder Heidelberg oder Freiburg, als Werbe-Universität ausgebaut werden. IrJolge des Mangels an Menschen, besonders einer gewissen Zwischenge&eration, ist es heute nicht möglich, die kleinen Universitäten so wie früher zu unterstützen, sodass wir uns mit den oben genannten Städten begnügen müssen. Wenn es gelingt, im übrigen die oben genannten Städte zu starken Positionen zu machen, so wäre damit etwas erreicht, was bisher im Kartell nmh nie bestand, nämlich eine wirklich starke Stellung in den hauptsächlichsten Orten Deutschlands. Ferner fand eine Besprechung über politische Erziehung .statt. Diese Besprechung konnte natürlich keine konkreten Beschlüsse zeitigen, sondern musste erst feststellen, welche Arbeitsmöglichkeiten aif diesem Gebiete vorhanden seien. Infolge der Wichtigkeit des Themas seil über die Ergebnisse dieser Besprechung eingehender berichtet weiden. Sk stellte als Aufgaben der politischen Erziehung folgende drei Punkte fest. 1. Die politische Charakter-Eigenschaft. Dies wolle besagen, dass bei des heutigen Situation des Judentums die sozialen Eigenschaften des Menschen da wertvollen, weil notwendigen, sind, und dass dem gegenüber, die rein individuellen zurückzutreten haben. Eine politische Erziehung müsse daher mär allen Mitteln die Kräftigung der sozialen Eigenschaften des einzelnen Menschen fördern. 2. Die politische Urteilsfähigkeit. Dazu sei es erforderlich, dass ein bfötimmter wissensmässiger Stoff beherrscht und damit der Grund für eine wirklich exakte und positive Kritik gelegt werde. Es wurde vorgeschlagen, für die manigfachen speziellen Fragen dieses Gebietes auf späteren Tagungen besondere Referate halten zu lassen. 3. Die politische Wirkung. Das Kartell müsse erstreben zu einer Art zisnistischen Oeffentlichkeit zu werden, indem es einmal eine aktive zionistische Tätigkeit entfalte, andrerseits die Aufgaben der Organisation in seinem Kreise bfhandle, und so evtl. dazu gelange, selbst politische zionistische Führer hervorzubringen. Damit dieses erreicht würde, sei es nötig, alle Kräfte, welche geeignet seien, politische Erziehung im Kartell zu leisten, zusammenzufassen, um auf diese Weise wirklich qualifizierte sachverständige Menschen zu schaffen, welche im Kartell für die Erziehung jüngerer geeignet seien. Es sei auch nötig, auf diesem Gebiete eine Zusammenarbeit mit dem Teil der Altherrensdiaft zu erreichen, welcher sich auf dem Gebiet der politischen Tätigkeit sinon jetzt hervortue und auch sonst den Kontakt mit dem Zionismus und «toi Kartell erhalten habe. Es ist ferner vorgeschlagen worden, Seminare, welche, etwa in Berlin, mehrtägig stattfinden sollten, und zu denen die oben güiannten geeigneten Bundesbrüder herangezogen werden sollen, zu veranstalten. Ausserdem soll der J. St. in den Dienst der politischen Erziehung gestellt werden, derart, dass in ihm wirklich wieder ein politisches Instrument des Kartells geschaffen wird. Am Nachmittag hielt Bbr. Hollenderski, welcher vorübergehend - aus Erez Israel in Deutschland weilte, das Palästina-Referat. Er wies darauf hin, &xss für ihn die Palästina-Arbeit des Kartells und des einzelnen Bundesfcruders auch nur als Ergebnis einer politischen Erziehung denkbar sei.