Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über die Erstchargierteniagung am 2. März 1924_83 Im Mittelpunkt der ganzen Tagung stand die politische Erziehung unserer Bundesbrüder. Sie beherrschte sowohl das einleitende Referat von Bbr. Foerder als auch die gesamten Diskussions-Reden und darüber hinaus später das Palästina-Referat von Bbr. Hollenderski. Die Rede von Bbr. Herbert Foerder ist auszugsweise in diesem Heft wiedergegeben. Die Diskussion welche sich an dieses Referat anschloss, unterstrich im allgemeinen die Ausführungen von Bbr. Foerder und führte Einzelheiten, die in einem derartigen Referat natürlich kürzer nur gestreift werden können weiter aus. Es wurde allgemein gefordert, dass die wissensmässige Vertiefung und die Beschäftigung mit der Historie den jüdischen Gegenwartsfragen und ganz besonders den Aufbauproblemen von Erez Israel mehr als bisher die Grundlage der politischen Erziehung sein müsse, und dass es nicht genüge bei unseren Bundesbrüdern nur ein staatliches Pflichtbewusstsein zu erziehen, sondern darüber hinaus Menschen heranzubilden mit eigener politischen Urteilskraft und mit einer Fähigkeit zu eigener politischer Aktion. Es wurde weiter darauf hingewiesen, dass die Debatten über das Kartell heute von einer Voraussetzung ausgingen, die früher nicht allgemein gegeben war. Die leitenden Bundesbrüder des Kartells seien von der Existenznotwendigkeit und dem Sinnvollen des Kartells absolut überzeugt. Jedes Nachdenken über das Wesen des Zionismus und über die Möglichkeit seiner politischen Durchsetzung führe zur Konzeption eines Bundes von innerer und äusserer Struktur, wie sie das K. J. V. aufweise. So zeige auch die letzte Entwicklung des Blau-Weiss deutlich, dass Menschen unserer Situation hier im Gallith letzten Eudes immer zu Lebensformen und Erziehungsmaximen kommen würden, wie sie heute durch unser Kartell verkörpert würden. Auch die Entscheidung für Palästina müsse Einfluss unserer politischen Erziehung sein und unmittelbar aus dem Leben des Kartells erwachsen. — Ausserdem wird in der Diskussion auf die Bewegung der jüdischen Studentenschaft in Osteuropa hingewiesen, welche ein Betätigungsfeld für das K. J. V. auch ausserhalb der engen Grenzen Deutschlands darstelle. Wenn auch das Kartell zur Zeit noch einen inneren Aufbau nötig habe, so dürfe es doch dieses Arbeitsgebiet nicht aus dem Auge verlieren und müsse es bald in Angriff nehmen. Besonders soll noch auf. die Ausführungen von Bbr. Bileski hingewiesen werden, welcher auf die heute unter der zionistischen Jugend sich bemerkbar machende sehr verderbliche Tendenz hinwies, welche besagt, dass es heute nicht möglich sei, allein mehr mit dem nationalen Moment zu werben, sondern dass man innerhalb der Werbe-Arbeit und auch der Erziehung der Menschen den wirtschaftlichen Moment einen grossen Platz einräumen müsse. Bbr. Bileski weist darauf hin, dass es gerade Sache der Jugend sei, sich gegen eine derartige Tendenz zu wenden. Die zionistische Idee habe nie etwas "mit der Realität der Umwelt gemein, sondern stets gegen diese Umwelt gestanden und gekämpft. So beachtlich in praktischen Dingen auch alle diese Momente seien, so haben sie doch nichts mit der zionistischen Voraussetzung zu tun. Der Zionismus im Galuth lebt im Gegensatz zur wirtschaftlichen Einstellung des gesamten Judentums. Des weiteren weist Bileski darauf hin, dass der Palästina-Zionismus im Kartell eine entscheidende Stellung einzunehmen habe. Die Oeffentlichkeit würde dem Kartell eine Kritik nur dann gestatten, wenn sie sehen würde, dass das K. J. V. in Palästina arbeite und dort Erfolge zu verzeichnen habe. Im üorigen aber sei die politische Arbeit heute ein Bedürfnis der zionistischen Situation. Das Kartell müsse sich mit den Fragen der Organisation aufs Ernsteste befassen und von sich aus darauf dringen, dass in der Organisation eine intellektuelle Reinigung erfolge, welche heute mehr als je nötig sei. Im übrigen halte er es für durchaus erfreulich, wenn heute das Kartell bei einer Betrachtung seiner Situation und seiner Aufgabe davon ausginge, welches das Bedürfnis des K. J. V. sei, und nicht mehr nach anderen, ausserhalb des Kartells liegenden, Dingen sich orientiere. Er begrüsste es weiter, dass man heute im K. J. V. einen Kern von .Menschen schaffen wolle, die bereit seien, sich dem Kartell zur Verfügung zu stellen, und gab seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck, dass es dem Kartell gelingen müsse, sich von allen den Elementen zu befreien, welche heute nur eine Belastung bildeten und zu keiner positiven Arbeit heranzubringen seien.