Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Zur Reichstagswahl när bekämpfen muss, entgegengetreten ist. Es gibt auch hier Differenzpunkte, z. B. darf nur erinnert werden an die Schulfrage und an das weitgehende Unverständnis, das z. ß. sächsische Sozialdemokraten bei derartigen Fragen bewiesen haben. Dazu kommt, dass die Struk'ur und ganze Politik der Par.ei insbesondere in den letzten Jahren so war, dass sie, von allgemeinen Gesichtspunkten aus gesehen, gewisser starker Bedenken nicht entbehren kann. Doch ist m.E. trotz allem durch eine Unterstützung dieser Partei noch am ehesten die Gewähr gegeben, dass unsere Interessen, wenigstens einigermassen vertreten werden. Erwähnt werden muss schliesslich noch die republikanische Partei, die sich wahrscheinlich in diesem Wahlkampf noch nicht durchsetzen wird, die aber wenigstens auf ihrem ersten programmatischen Parteitag in recht mutiger Weise sich zur Judenfrage geäussert hat. Zusammenfassen wird man zu folgendem Ergebnis kommen müssen: 1. Eine Beteiligung an der Wahl ist unbedingt erforderlich. 2. Auszusschalten sind alle Parteien, die aus oben entwickelten Gründen unseren Interessen entgegenstehen. 3. Unter den verbliebenen Parteien ist für uns die eindeutige Entscneidung für eine Partei in der Art, dass man für sie eine Wahlparole ausgeben könnte, nicht zu «finden. Wir werden uns begnügen müssen, aus den zuletzt genannten die relativ beste, d. h. jüdischen Interessen am dienlichst Partei, je nach persönlicher Einstellung und En Scheidung herauszuwählen. Listenwahl erschwert oder macht eine Entscheidung für bestimmte Peisonen unmöglich. Man wird also bei der Wahl auch unler Berücksichtigung bestimmter lokaler Verhältnisse jeweilig die Partei wählen müssen, die jüdischen Interessen am dienlichs:en zu sein scheint, von der man ihrer ganzen Zusammensetzung nach den Eindruck hat, dass jüdische Interessen einigermassen gewahrt sind. Nur so wird man diesen an sich wenig erfreulichen Teil unserer Politik einigermassen erträglich machen können.