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Der jüdische Student · 1924-04-01 · Heft 4-5 (April 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 4-5 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Unsere Stellungnahme zu den kommenden Reichstagswahlen_71 darüber hinaus wahrscheinlich infolge Missverständnis und Verleumdung noch zu weiten Kreisen des deutschen Volkes in schärfsten Gegensatz geraten. Es bleibt also nur der Weg, uns einer der bestehenden Parteien anzuschliessen. Nach welchen Gesichtspunkten unsere Wahl zu erfolgen hat, geht aus den obigen Betrachtungen hervor. Nicht persönliche Sympathie, Weltanschauung, W'irischaftsinteressen, sondern allein die Frage, welche Partei unsere jüdischen bezw. zionistischen Interessen am besten vertreten wird, muss für uns massgebend sein. Neben dem Wahlprogramm der Partei muss die Liste derselben im Hinblick auf die Zuverlässigkeit der aufgestellten Kandidaten sowie ganz besonders das bisherige Verhalten der Partei in jüdischen Dingen näherer Betrachtung unterzogen werden. Wir müssen uns allerdings darüber klar sein, dass letzten Endes diese Wahl nur eine Subtraktions-Methode bedeuten kann; allein wir haben doch immerhin die Hoffnung, gerade durch derartige politische Kleinarbeit, eine möglichst weitgehende Autonomie zu erlangen, um später einmal auch in der Lage zu sein, eine würdige Politik zu treiben. Welche Partei wir in diesem Spezialfälle zu wählen haben, soll der Entscheidung des Einzelnen oder wenigstens Berufenerer überlassen bleiben. Meine Aufgabe war es nur grundsätzliche Richtlinien aufzuzeigen. Zum Schluss möchte ich noch einige Bemerkungen über die passive Wahlbeteiligung hinzufügen. W*e wir einerseits durchaus nichts dagegen einzuwenden haben, dass Ziondsten in den deutschen Staatsdienst gehen, so lange sie das Bekenntnis zum nationalen Judentum hochhalten (die Ablehnung der Bedingung an exponierter Stelle ist nicht prinzipieller sondern rein taktischer Natur und nur durch die heutige politische Hemmungslosigkeit und Immoralität des deutschen Volkes geboten), so möchte ich doch andrerseits eine passive Beteiligung an den Reichstagswahlen in Korrespondenz zu den obigen Ausführungen ablehnen. Denn wenn wir nicht in der Lage sind, eine besondere jüdische Liste aufzustellen, so könnten wir unsere Kandidaten (d. h. günstigstenfalls unseren Kandidaten) nur im Rahmen einer der bestehenden Parteien wählen lassen. Damit bindet derselbe sich aber, zumindesten moralisch, an das Parteiprogramm und die Parteileitung und ist darüber hinaus auch nicht in der Lage, dem faktisch doch bestehenden Fraktionszwang entgegen unsere Interessen mit genügender Stärke zu vertreten. Es wäre höchstens zu erwägen, ob durch Verhandlungen mit der betreifenden Partei, diese ihre offizielle Stellungnahme jeweils in entsprechender Weise beeinflussen liesse.

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