Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau 65 Teil des amerikanischen Judentums (der politisch der republikanischen Partei nahesteht) gefunden, den auch die Brandeis-Gruppe bisher nicht finden konnte. Welches finanziere Ergebnis aber die Mitarbeit dieser Kreise zeitigen wird, ist noch völlig unklar. Auch die Bedeutung der in der Gründung begriffenen Investment Corporation darf nicht überschätzt werden. Sicher bedeutet jede in Palästina investierte Kapitalsunime ein Zuwachs an wirtschaftlicher und politischer Macht, aber man darf nicht verkennen, dass es eine Rangordnung der wirtschaftlichen Bedürfnisse gibt Gerade das was die neue Institution will, nämlich die Beleihung erstklassiger Papiere, bedeutet, zumal nationalwirtschaftlich betrachtet, keineswegs auch die Befriedigung ersiklassiger Bedürfnisse. Unsere Wirtschaft im Lande braucht in erster Linie Kapitalien für neue Siedlungen. Die landwirtschaftliche Produktionsbasis muss verbreitert werden, wenn sie den jüdischen Jischuw tragen soll. Tut sie das nicht, so fliessen die Kap'talien immer wieder aus ihm heraus und werden endlich in der Sphäre der arabischen Urproduktion investiert. Wir müssen dahin gelangen, dass der jüdische Kolonist und der jüdische Städter Milch, Butter, Eier usw. vorn jüdischen und nicht vom arabischen Bauern kauft. Neue Siedlungen aber gehören zweifelsohne nicht zu jenen sicheren Unternehmungen, die durch den Investment Corporation Kredite zu 6 % aufnehmen können, sondern dafür kommt in erster Linie und beinahe ausschliesslich der Hypothekenmarkt, d.h. dass schon beinahe übersättigte Baugeschäft, in Betracht. Jedenfalls wird die Finanzierungsfrage unserer Landwirtschaft, falls sich nicht überhaupt ein Systemwechsel vollzieh-1, nach wie vor Sache unserer Spendenfonds bleiben, deren Entlastung allerdings zu begrüssei* ist. Es ist sicher kein Vergnügen auch darüber hinaus noch weiter die Kassandra spielen zu müssen. Aber auch die zweite grosse Hoffnung des Augenblickes, der Tabakbau ist eine nicht ganz bedenkenfreie Angelegenheit. Wie bekannt werden im Zusammenhang mit dem Tabakbau 2000 neue Arbeiter angefordert. Was das bedeutet, ist für jeden, der die Palästinensischen Verhältnisse kennt, klar. Es bedeutet zunächst eine grosse Verstärkung unserer Position gegenüber der englischen Verwaltung. Noch wichtiger ist psychische Rückwirkung auf den neuen Jischuw und vor allem auf die Arbeiterschaft. Mehr als durch die körperlichen und materiellen Strapazen und Schwierigkeiten leiden diese Menschen, die zum Teil seit einem Vierteljahrhundert auf diesem verlorenen Vorposten siehen, ja darunter dass der Aufbau nicht vorwärts geht Immer wieder müssen sie sich die Frage stellen, ob das grosse Ziel erreicht wird und ob ihre Leiden so durch einen höheren Zweck -.adelt werden. Eine nev.e Weiile von 200 Chaluzim wird ihre ps\chische Spannkraft wieJer auf lange Zeit erhöhen, von der in jeder — politischen, kulturel'er, wirtschaftlicher -■• Beziehung so sehr \:el abhängt.