Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537787--6019-3544149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau scheinend immer dann die Aufmerksamkeit des Zionismus auf sieh, konzentrieren, wenn die öffentliche Meinung des Zionismus gerade beginnen will, sich unseren zentralen Fragen der Finanz- und Wirtschaftspolitik zuzuwenden. Dieses Mal war es der Soloweitschik-Konflikt, der ja auch die eigentliche Ursache für den Zusammentritt des A.C. gebildet hat. Jedoch wurden alle jene Liebhaber abstrakter politischer Diskussionen und diplomatischer Schachzüge schwer enttäuscht. Jede neue Sensation blieb aus und die ganze Diskussion verlief so im Sande, dass das A.C. nicht einmal in einer Resolution zu der Angelegenheit abschliessend Stellung nahm. Es muss festgestellt werden, dass beide Seiten schwer gegen die zionistische Disziplin Verstössen haben. Soloweitschik durch die ganze Art seines Auftretens. Er hätte niemals jene Flucht in die Öffentlichkeit unternehmen, hätte nie die zionistische Presse Tage und Wochenlang durch Interna der Exekutive auf das Niveau von Sensationsblättchen herabdrücken dürfen. Falsch waren auch, prinzipiell gesehen, die Angriffe gegen den Sekretär des politischen Departements. Die angestellten Beamten dürfen auf keinen Fall das Ziel parlamentarischer Angriffe v/erden, sondern diese haben sich stets gegen den jeweiligen Leiter des Ressorts der die parlamentarische Verantwortung trägt, zu richten. Andererseits hat auch Prof. Weitzmann nicht richtig gehandelt, es wäre seine Pflicht gewesen seine Kollegen in der Exekutive eingehend über die Gründe zu informieren die ihn zu seiner Stellungnahme bewogen. So sehr auch Weitzmanns ganze Stellung der Organisation gegenüber psychologisch erklärlich ist, so sehr darf man doch andererseits nicht übersehen, dass diese Stellung eines Tages zu einer schweren Gefahr für die Einheit der Organisation werden kann. Darüber hinaus war er zweifelsohne sachlich im Recht, wenn er die Resolution des A.C. in der Frage der,„Arab Agency" der britischen Regierung nicht unterbreitete. Denn inzwischen hatte sich die politische Situation in England gewandelt, der Sturz der unionistischen Regierung stand vor der Tür, die Neuwahlen zum Unterhaus sollten ausgeschrieben werden und es musste auf jeden Fall vermieden werden, dass durch ein unbedachtsames Hervortreten Palästina wiederum zu einem Objekt des' Wahlkhmpfes werden würde. Aber wie gesagt die Angelegenheit verlief im Sande und die Zionistische Organisation ist um eine politische Sensation reicher. Während sich so das Interesse des Zionismus immer wieder auf die Sphäre der reinen und abstrakten Politik konzentriert muss immer aufs neue daran erinnert werden, dass unser Entscheidungskanipf in einer ganz anderen Region geführt wird. Unsere politische Situation ist nur ein Spiegelbild unserer kolonisatorischen Tätigkeit im Lande. Wäre auch nur Ruppins Minimalprogramm von jährlich 30 000 Einwanderern erfüllt worden, das noch vor wenigen Jahren als die unterste aller Grenzen angesehen wurde, so wäre unsere politische Situation den Engländern, den Arabern, d:n Juden gegenüber heu.e eine ganz andere. Auch der nichhnarxistisch orientierte Politiker kann zum mindesten einen Zusammenhang zwischen Kolo-