Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 3 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 - Offener Brief satorischen Fähigkeiten zur Geltung zu bringen, ist bei der dem Juden eigenen, angeborenen geistigen Regsamkeit nicht so leicht zu befürchten und schließlich erheischen ja die drängenden Gegenwartsaufgaben von dem einzelnen so große Opfer, daß schon hierdurch unwürdige Elemente abgestoßen werden. Also man stelle getrost jeden, der eine Zeit lang als ge- . meiner Arbeiter (Büchsenleerer usw.) in unserer Armee gedient hat, auf einen verantwortungsvolleren Posten. Mit der höheren Aufgabe werden auch seine Fähigkeiten wachsen. Was also notiut, ist eine straffere Organisation. Die Führer müssen den Geführten einen Teil ihrer Initiative abnehmen, indem sie sie zu einein Posten berufen, dessen. Besetzung durch die Erfordernisse der Politik benötigtist. Damit soll nicht gesagt sein, daß nun der einzelne zu einem seelenlosen Werkzeug werden müßte. Es ist weitgehend auf die Eigenart und die' persönlichen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen., Darin zeigen sich eben die Führerqualitäten, daß sie es verstehen, jeden auf den richtigen Platz zu stellen. Wenn die Dienstpflicht In dieser Weise mit mehr Konsequenz durchgeführt worden wäre, dann würde sie vielleicht zu einem besseren Resultat geführt haben. Wenn nun doch wieder eine Rangordnung unter den Bundesbrüdern angestrebt werden soll, so könnte hierin gegenüber dem im Anfang Gesagten ein Widerspruch angenommen werden. Es besteht aber doch zwischen der von mir gemeinten Ordnung und der bisher im XJV. üblicnen Menschenbeurteilung ein tiefgreifender Unterschied. Im KJV. wird vbei jedem Menschen der höchste Maßstab angewandt. Es werden* sehr hoch gegriffene Minimalforderungen gestellt. Wer unter diesen Fordeningen bleibt, gilt als schlechter KJV.er. Ein derartig eng begrenztes Erziehungsziel vermag wohl einzelne, besonders wertvolle Exemplare zionistischer Arbeiter zu züchten, wird hingegen andere, nicht minder wichtige Aufgaben außer acht lassen. So verzichten wir damit auf die Einwirkung auf weitere Kreise. Bei einem großen Teil unserer Bundesbrüder steht das Resultat der Erziehung in. keinem Verhältnis zu den -hochgespannten Zielen und der von ihnen aufgewandten Mühe. Das ist auch kein Wunder, wenn wir bedenken, daß es bleibende Werte nicht gibt und das Wichtige von beute morgen vielleicht schon zur Bedeutungslosigkeit gesunken ist. Damit hat auch der Erzieher zu rechnen. Die Wichtigtuerei, mit der auf der Schule jeder Professor dem Schüler sein Spezialwissen zu vermitteln sucht, hat im KJV.. wo es sich darum handelt, jungen Leuten über die Geschehnisse in der Welt die Augen zu öffnen, keinen Platz. Wir wollen keine in sich gekehrten, zu ernsten Menschen, die immer darüber grübeln, wie sie unter Mißachtung ihrer persönlichen Neigungen hochgespannte Forderungen nur um der vermeintlichen Größe der Aufgabe willen verwirklichen können. Das ist auch eine Art von Kasteiung, der, wie jeder Kasteiung, ein gut Teil Eitelkeit zu Grunde liegt. Wieviele solcher großen Aufgaben hat das KJV. im Laufe seiner kurzen Geschichte nicht schon auf seine Fahne geschrieben, und welche von ihnen ist bisher verwirklicht worden? Was wir brauchen, ist also: Öffnung des Kartells für alle diejenigen, welche durch den Eintritt in die zionistische Akademikerorganisation ein Bekenntnis zum Zionismus ablegen: Unterordnung unter die Direktiven der zionistischen Organisation: Anhauung der Bundesbrüder zur aktiven Mitwirkung bei ailen Aufgaben, welche der Aufbau erfordert.. Man wird einwenden, diese Ziele seien nichts NeueSj Das ist richtig. Neu ist nur der Geist, in dem sie in die Fat umgesetzt werden sollen. Vor aüem also: Keine Zersplitterung unserer Kräfte, Darum keine Sonderaufgaben, für das KJV. Keine KJV.er-Siedelung. Einen Obersiedelungsfonds nur in dem Sinne, daß bedürftigen Bundcsbrüdeni. die Gelegenheit haben, nach Palästina zu gehen. Beihilfen gewährt werden. Aber davon nicht viel Aufhebens machen. Dagegen rege Propagandatätigkeit Keilarbeit und Werbungstätigkeit unter den übrigen Nicht-Zionisten. Cbernahme praktischer Arbeiten für die Ortsgruppen. Im einzelnen dürfte sich vielleicht an den Verbindungsorten empfehlen, die Arbeiten zu Beginn rine« jeden Semesters unter die Bundesbrüder zu verteilen. Für die Alten