Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 3 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537786--6003-3544132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Offener Brie? 49 des Präsidiums zum Stiftungsfest der Maccab'aea Jan. J.St.), einmal näher zu beleuchten. Jeder Mensch hat eine Entwicklung durchzumachen, deren Richtung und Ziel weder der Betreffende selbst, noch viel weniger ein anderer mit genügender Sicherheit voraussehen" kann: Wtjnn d-as für~ Mensclien.i&t£ei}. Lebensalters gilt, um wieviel mehr wird es für das Menschennaterial zutreffen, aus dem sich unsere Verbindungen zusammensetzen. Darum ist es kurzsichtig, einen Menschen, der durch seine freiwillige Zugehörigkeit zu einem zionistischen Verband'den Willen bekundet, seine Entwtckelung in der Richtung zum Zionismus hin beeinflussen zu lassen, mangelnder zionistischer Leistungen halber aufzugeben oder auch nur ihm durch die Statuierung von Wertstufen gemäß "dem Grade zionistischer Aküvität und die Erweckung von Bedenken über die Berechtigung seiner Zugehörigkeit diese zu erschweren. Die Zahl der echten Mitläufer in einer Bewegung ist gewöhnlich viel kleiner als angenommen wird. Es ist nicht so, daß der nicht aktive Mensch aus Indifferenz und Indolenz den Austritt aus der Bewegung unterläßt, sondern umgekehrt gerade, weil er nicht indifferent ist, bleibt er Mitglied, obwohl er, durch die herkömmliche Klassifizierangsmo.de auf die unterste Wertstufe gestellt, die Pflicht zum Ausscheiden fühlt. Er ist untätig einmal infolge von psychischen Hemmungen, die es ihm erschweren, sich zur zionistischen Arbeitsleistung vorzudrängen. Andere wiederum vermögen, vor die Wahl gestellt, sieh für deutsche oder jüdische KiHturideale zu entscheiden, nicht so schnell zu einer endgültigen Lösung zu kommen und leiden schwer unter dem m seelischen Zwiespalt. Nicht immer sind diejenigen Bundesbrüder, die auf der ersten Kneipe, zu der sie als Keilfüchse hinzugezogen wurden, gewonnen werden und sich gemäß ihrer großen Anpassungsfähigkeit überraschend schnell in den bundesbrüderlichen Kreis einzufühlen wissen, die geistig Regsamsten und Fähigsten. Beim älteren Menschen ist es oft das der zionistischen Betätigung ungünstige Milieu, von dessen Einflüssen sich nicht jeder in gleicher Weise leicht frei machen kann, weiches eine aktive Betätigung erschwert. In jüngster Zeit sind auch die wirtschaftlichen Sorgen nicht zu vergessen, die gar oft auch den besten Willen beugen können, um wieviel mehr einen Menschen, dem Willenskraft nur in geringerem Grade eigen ist. Es ist klar, daß dieser Mannigfaltigkeit von Widerständen gegenüber, welche die freie Betätigungsmöglichkeit vieler sogenannter Mitläufer beeinträchtigte, auch der gute Wille der Verbindungsleiter, hier zu helfen, sehr oft machtlos ist. Aber man müßte damit rechnen, daß die Zeit viele dieser Hemmnisse beseitigt. Der Mensch mit psychischen Hemmungen wird diese mit der Zeit verlieren oder er wird außerhalb des Ytrbindungslebens in Einern iner Persönlichkeit mehr adäquaten Milieu die auch ihm nicht fehlende Aktivität zur Auswirkung bringen können. Das Milieu kann durch die Einbringung der zionistischen Ideale in weitere Kreise seinen feindlichen Charakter ändern. Wir alle hoffen, daß auch die heutige unsichere wirtschaftliche Lage sich stabilisiert. Darum ist es Zeit, daß diese kurzsichtige l".instcIhing. die den Wert eines Menschen nur nach seiner heutigen Leistung in urteilt, einer besseren Einsicht weicht. Die Äußerungen, die es als da-s Zi- 1 der KJV.-Erziehung bezeichnen, einen Edtlstamm zionistischer?ier- . schen zu züchtet:, messen endlich aus dem J. St. verschwinden. DL- \uffassung vom zionistischen Soldaten als einem Menschen, der sich mit Leib" '''Kl Stele für immer der zionistischen Organisation verschreibt, wie sie :i(»cli in dem Artikel von Hans Kntschke im ..J. St." zum Ausdruck kommt. i"nß einer andern, mehrmit der Wirklichkeit rechnenden weicher. Der Snldai ist das ausführende Organ des politischen Willens, der den Platz, i'i" urn er gestellt wird, auszufüllen hat. der durchaus nicht ohne egoi.sü- *cl:e .Motive in die Armee eintritt, sondern der Stimulanzen bedarf, als da j*'nd: Beceistcrungsrausch und die Möglichkeit zu verantwortlicher Leistung, der Soldat trägt den Marschallstab in seinem Tornister. Daß «jusLHi Bewegung hierdurch verflacht und die zionistische Betätigung nur t-er Möglichkeit halber gesucht wird, seine gesellschaftlichen und orgnni-