Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 3 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 KJV.er sind. Nur die leidenschaftliche, hingebungsvolle, voraussetzungs- Iose, neue Menschen mitreißende Bejahung unserer Gemeinschaft muß unser Lebensprinzip sein. Wir kennen nur ein Dogma, und das ist der Glaube an den Sieg der Tat und den Niedergang der Phrase. Sonst mag jeder die „Einstellung" haben, die ihm beliebt, er darf nur nicht, mag ei sich nun „Lernender** nennen oder „Problematiker**, aus ihr Inaktivitat folgern wollen. — Man wird fragen, worin sich dieses neue Aufleben des Kartells eigentlich dokumentiert. Es ist eine Abkehr vom Wege der Zentrifugale, den das Kartell mit der Organisation bisher gegangen ist. In der Organisation spielte sich <seit San Remo etwa) der Vorgang ab, daß die 'Last der Verantwortung von vielen auf wenige abgewälzt worden ist, bis schließlich ein Mann mit allen „Zores** beladen abseits van der trägen Masse alles allein machen muß von den politischen Staats- bis zu den Geld aufbringenden Schnorraktionen bei den „Guirim*\ Auch das Kartell war. glauben wir. auf diesem Wege; kleiner, immer kleiner wurde die Zahl derer, die nicht an den Tod des KJV. glauben wollten weil sie KJV.er waren. Noch sind wir nicht bei dem „Einen" angelangt. Aber wir kehren allem Anschein nach, Gott sei Dank, jetzt schon um. Wer z. B. das Königsberger Stiftungsfest miterlebt hat, fühlte es deutlich, daß so mancher wieder von der Zentripetale erfaßt worden ist, daß viele wieder glaubten. Die Artikel von Katsch-ke und * Baumgari im Jetzten Heft des „J. St." zeigen, daß wieder etwas wie von KJV.- Freudigkeit erfüllte Willenstat, diesmal nicht künstlich gezüchtet, sondern ganz organisch, im Entstehen begriffen ist. Wem diese Anzeichen nicht genügen, der schaue um sich und prüfe, ob nicht aus der allgemeinen Palästinastimmung am Kartell heraus eine Chaluziuth im Werden ist, eine Chaluziuth, die einzig und allein diesem vielgelästerten KJV. zu verdanken ist, die mit und in diesem KJV. leben will sowohl während der Hachse harah hier als auch nach erfolgter Ali ja h drüben. Nicht darauf kommt es an, daß das Präsidium mechanisch in jedem Semester „neue Ideen" verkündet, sondern daß e s (und die verantwortlichen Menschen Kartell) auf Stimmen aus dem Kartell heraus mit einem gesunden Instinkt hört und danach handelt. Die Früchte eines solchen Handelns werden immer natürliche sein, nicht künstliche, wie die von vorschriftsmäßig am Beginn jedes Semesters verkündeten „neuen Ideen**. Vieles wäre noch über unsere Lebensformen, Methoden der Werbearbeit, KJV.-Trust usw. zu sagen. Das sei Berufeneren überlassen, Paui H i r s c h hat erst vor kurzem treffliche Worte für die ersteren gefunden. Katschke hat, wenn auch ein klein wenig übertrieben, v erstand esmäßi* sich zum letzteren geäußert. Wir wollen lediglich einen Punkt noch streifen, der schließlich die Arbeit der Bundesbrüder sein soll: unsert ErzTehung. Unser Ideal ist immer noch das, was man schlagwortmäßig den „jüdischen Staatsbürger*' genannt hat. — Unsere zionistische Umwelt, ist heute so beschaffen, daß sie einem jungen Bundesbruder mit einer erschreckenden Deutlichkeit die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit zeigt. Man sagte einmal im Kartell, nun dann müßten wir eben das Ideal näher rücken lassen, wir dürften nicht mit so radikalen Forderungen werben und erziehen, sondern überwiegend wirklichkeitsnaher, realer, wirtschaftlicher. Wir glauben, daß der umgekehrte Weg geboten und auch möglich ist. Die zionistische »Umwelt, wie sie sich heute darbietet, kann von einer KJ V.-Umwelt, die sich d e m I d e a I genähert hat, überschattet werden. Der junge Mensch muß in unserer Umwelt ideologisch so erfaßt -sein, daß ihm die Diskrepanz zwischen Leben und Lehre nicht mehr bewußt wird und zwar deswegen nicht, weil sie fast gar nicht vorhanden sein wird. Ein junger Bundesbruder wird z. wenn ihm der Weg unserer KJV.-Chaluzim auf ein KJV.-Gut gezeigt wird, seelisch viel eher bereit sein, ihn zu gehen, als dies bislang der Fall sein konnte. Ebenso wird ein Bundesbruder, der hinübergehen will, o^ne