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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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38 dem einen wie in dem andern Tätigkeitsfeld wirksam sind.1*) die Gemeinden von dem gleichzeitig politisch tätigen Laien geleitet werden und andererseits eine große Anzahl von Rabbinern im Z.V. mitwirkt,10) sondern es bestimmen auch die Methoden und Ziele des politischen Liberalismus den religiösen („Die Politik drückt auf die Religion" s. u.) wie umgekehrt der religiöse Liberalismus dem politischen seirje Ideen als Waffen für den Kampf gegen Antisemitismus und Zionismus liefert. „Sollen wir Tmie bewahren und Haß abwehren, so müssen wir uns mit dem Geist unsere; Geschichte, mit der Wahrheit und Reinheit unserer Lehre erfüllen . . (Fuchs). Für den Kampf mit dem Antisemitismus und dein Zionismus w'.rd die theologische „Wissenschaft des Judentums" in Anspruch gencmmeii und im „Verband der deutschen Juden" (gegr. 1905) kommt dieses Zusammenwirken von Politik und Religion am reinsten zur Geltung. Der Verband hat als Organe Hauptversammlung und Ausschuß: zur Hauptversammlung wählen die jüdischen Gemeinden, also die Religionskörperschaften — jedoch: ..Die Erörterung von Fragen der Religion und des Kultus sowie der inneren Verwaltung der Gemeinden ist nur insoweit statthaft, als es sich um die Abwehr von Angriffen' handelt*". In dieser Hauptversammlung sind noch mit Sitz und Stimme Vertreter der jüdischen Organisation ernannt. Die im Z.V. wirksamen Ideen haben im Kampf mit dem Zionismus, der seit Ende des letzten Jahrhunderts tobt eine Veränderung durch Aufnahme jüdisch-positiver Inhalte erfahren. Den beharrlichen Angriffen der Zionisten gegen die in jüdischer Hinsicht rein negative Stellung des Z.V. konnte das liberale Judentum nicht ganz ausweichen und es hat, nachdem es anfangs nur durch heftige Gegenwehr reagiert hatte — wobei selbst die Hilfe des Staates gegen die Zionisten angerufen wurde20) - langsam Bestandteile der zionistischen Idee aufgenommen. Durch den Zionismus, ist in das liberale Judentum, besonders in .dessen Jugendverbände, Interesse für die Fragen der künftigen Gestaltung des Judentums getragen worden. Auch die Bewertung der Ostjuden hat unter dem Einfluß der. zionistischen .Propaganda eine andere Gest 't angenommen: die als lästig angesehenen Ausländer wurden mehr und mehr als die ..armen Glaubensgenossen aus dem Osten" angesehen, was ein Fortschreiten jüdischen Solidaritätsgefühls auf Kosten der Rücksicht auf den Antisemitismus bedeutet, und seit sich »ührende Zcntralvereinsmitglieder zum jüdischen „Stammesbewußtsein** bekennen, ist ihre Wertung naturgemäß noch gestiegen (s. letztes Kaoitel). Diese Entwicklung hat vor allem im Weltkrieg, unter dem Eindruck der politischen Erfolge des Zionismus und der furchtbaren Pogrome im Osten, eine starke Förderung erfahren. Sie wurde jedoch nicht von der Gesamtheit der liberalen .luden mitk ~acht. Ein Teil glaubte sich gerade nach dem Kriege aus Rücksicht ar: die antisemitische Flut scharf gegen alle jüdischen Tendenzen, die irgendwie übernationalen (was die deutsche Nation betrifft) Charakter haben, abgrenzen zu müssen. Die im ..Verband national-deutscher Juden'4 vereinigten liberalen Juden lehnen jede Solidarität mit andern Juden nicht ..nationaldeutscher" Gesinnung ab. auch mit den liberalen Juden, welche aus ihrer Zugehörigkeit zum deutschen Volk nicht mehr (aus Rücksicht „auf die Rückwirkung auf unsere eigene Stellung'1) die Konsequenz völligen '*) So war — um nur ein markantes Beispiel zu nennen — Eugen Fuchs, der Führer des politischen Liberalismus, Vertreter der größten jüdischen Kultusgemeinde bei der Generalversammlung jüdischer Literattirvereine 1S98. 19) Vgl. die Rednerlisten der vom Z.V. veranstalteten Vorträge im .Jm deutschen Reich". 20) Prof. Ludwig Geiger, eine führende Gestalt im liberalen Judentum und Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erklärte im „Jahrbuch**, daß er es als konsequent empfinden würde, wenn die deutsche Regierung den Zionisten die Staatsbürgerrechte entzöge.

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