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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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37 Beteuerungen als Hauptinhalt wieder. Das Bestreben vor der Umwelt als gleichartig zu erscheinen, hat bemerkenswerte Konsequenzen: es zwingt die Liberalen zu mindestens stillschweigender Anerkennung aller herrschenden Meinunsen, so weit sie irgendwie mit dem Prinzip der Gleichberechtigung' vereinbar sind.17) Der Walle, gleichartig und gleichwertig, zil.erscheinen, läßt sie jede von der Ansicht der politisch und gesellschaftlich herrschenden Kreise abweichende Überzeugung unterdrücken, welche sie als abseitsstchend, als Klasse erscheinen lassen konnte. „Es ist von.diesei Stelle sehen einmal ausgesprochen worden, daß wir Juden im deutschen Staat wie Stielkinder behandelt werden und daß Stiefkin-der, um ein ertrauliches Dasein zu führen, doppelt artig und bescheiden sein müssen ..." und .weiterhin, bei Besprechung der Frage des religiösen Schulunterrichtes: .....es gibt sicher \iele, die meinen, auch ohne eine direkte religiöse Erziehung kann ein Individuum eine hohe sittliche Stute erreichen. Wir müssen aber mit der"Tatsache rechnen und sie uns stets vor Augen halten, daß eine selche Anschauung des Staates nun einmal besteht und streng durchgeführt überall zur Geltung kommt . . . Und darum müssen wirzunächst mit aller Kraft ."anach streben, daß auch wir die Bedingungen, derer nrfüüung der Stirbt \ an der .großen Mehrzahl seiner Mitglieder für ihre spätere Anerkennung v.nu-edingt verlangt, vorerst ebenfalls erfüllen, daß wir überhaupt dazu : ^gelassen werden, sie erfüllen zu können" (MeiidoLsohn. ,Die Pflicht . . .*'). So war durch das Verlangen, gleich geachtet zu werden, ()p:osition gegen im Staat herrschende Ansichten selbst auf Kosten besserer Überzeugung ausgeschaltet. Unzählige Veröffentlichungen über ..Die Jeden in den Kriegsgesellschaften4'. „Die Juden im Heere ', die arische Abstammung von Spartakusführern und anderer in der öffentlichen Meinung unbeliebter Personen u. dgl. mehr hat der Z.V. im und nach dem Krieg erlassen. Im Kriege entstand die Parole des ..Mehr als seine Pflicht tun", analog der Forderung Mendelsohns, daß die Juden ajs Stiefkinder doppelt artig und bescheiden sein müßten. Auf Griind '.eines ständigen ,.S i c h m f t b e w u ß t s e i n**- in der herrschenden öffentlichen Meinung richtete sich Jas Handeln und Verhalten des Z. V. nach dieser öffentlichen Meinung im Sinne einer Bekundung völliger Übereinstimmung mit ihr, soweit sie eben nicht antisemitischen Inhalts ist. » \\\_nn der Z.V. die deutschen Juden „zu unbeirrter Pflege deutscher Gesinnung" erziehen will, so hat er auch, hierbei das Ziel vor Augen, welches oft und ausdrücklich als sein einziges bezeichnet wurde: die Abwehr des Antisemitismus. ■ Deutlich wird dies aus dem offiziellen Bericht Mugen Fuchs* (..Bestrebungen und Ziele**) 1895 in folger der Äußerung: Die zionistische Partei hat das mit dem Antisemitismus gemeinsam, daß sie die Juden entnaiionaiisiert (d. h. dem Deutschtum entnationalisiert und zu einer eigeren Nation macht) und das ist die größte Gefahr des J u dentum sk\ Der religiöse und politische Liberalismus, zwei verschiedene Wirkungsrichtungen derselben sozialen Gesamtheit: des liberalen Judentums greifen verschiedentlich ineinander über. Nicht nur, daß dieselben Personen in söhn. .Die Pflicht der Selbstverteidigung". Jahresbericht des Vorsitzende:! in der ersten ordentl. Generalversammlung des Z.V. 1894). Dieser Bestimmung ist das Organ, ..Im deutschen Reich", das in 27 Jahrgängen erschien, treu geblieben. ,r- Ms ist. wie schon Gabriel Riesser. auch der Z.V. stets für die demokratische und liberale Staats- und Gesellschaftsordnung eingetreten, hat allerdings, solange das Kaiserreich bestand, keine Gelegenheit verdünnt > seiner monarchischen Gesinnung Ausdruck zu geben und hat sie noch, als die Revolution schon ausgebrochen war, durch eine Kaiser- Proklamation bekundet. " ®

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