Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Parteibestrebungen hn deutschen Judentum ._39 ^ichlossagens von Zionisten und Ostiuden ziehen. In dem Maße, in dem Uberale Juden sieh den zionistischen Anschauungen näherten und aus. dem. nachträglich gewonnenen Interesse für eine würdige Gestaltung der•■■ jüdischen Zukunft an dem zionistischen Ziele mitzuarbeiten bereit wurden, hat sich die Kluft zwischen ihnen und den „nationaldeutsehen Juden** vertitft. In Flugschriften und Presseartikeln (Kölnische Zeitung) macht der ..Verband nationaldeutscher Juden" Propaganda für seine Ziele nur deutscher Betätigung, voller Absage an Zionisten und alle ausländischen Juden. Zu den letzteren, wie aber auch zu den deutschen Zionisten (dei ..du umso gefährlicherer Feind ist, je enger seine Beziehung zum Ausland ist. je weniger Verständnis er für die Empfindung hat, die heute jeden deutschfühlenden Mann erfüllt14) nimmt der Verband dieselbe Stellung ein, wie zu allen auch nichtjüdischen Ausländern. Vor allem aber sind es die ..Zwischenschichtler44, eben jene liberalen Juden, die trotz ihrer deutschen Gesinnung wachsendes Verständnis für die Idee einer Gesamtjiidenheit, einer geistig-kulturellen Erneuerung des Judentums, der Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina usw. entgegenbringen: bei denen sich also das jüdische Artbewußtsein wieder stärker regt, welche von den nationaldeutschen Juden angefeindet werden. Diese Kategorie der „Zwicker schichtler4* bekämpft Naumann, der Führer des Verbandes, mit der ganzen Schärfe eines Bruderkampies. Er wirft ihnen vor, daß durch ihre Haltung der Antisimetis.mus Nahrung bekommt: „. . . Fühlen diese Herren denn nicht, daß nichts den »Antisemiten" besseres Material gibt als . . . Verbrüderungen vermeintlicher Deutscher mit deutschfremden, ja deutschfeindlichen Elementen? Fühlen sie nicht, daß durch ein so unglaubliches Verhalten gerade die Behauptung der »Deutschvölkischen4 scheinbar bestätigt wird, die Juden aller Richtungen hielten zusammen wie Kletten und keinem Juden sei sein deutsches Vaterland mehr wert als seine jüdische Stammesgemeinschaft?" (Naumann, „Liegt Berlin in Deutschland?44 — Köln'sehe Zeitung vom 24. März 1922). Beim „Nationaldeutschen Juden44 ist das jüdische Artbewußtsein fast völlig verschwunden. Nur die Abstammung, die Rasse wird zugestanden. Aber ..was tut's, daß ein Hauch von Fremdartigkeit sein Äußeres umwimrt . . . soll er darum weniger deutsch sein? . . . Die Magnetnadel unseres Blutes schlägt nicht aus, wenn ein französischer Jude oder ein aus ganz andern Sphären kommender Ostjude uns nahetritt. Der Kreis schließt sich nicht, nur das Hirn registriert nach der Meldung des Auges und des Ohres: .Der ist ein Jude4, aber das deutsche Herz antwortet: .Er ist ein Fremder'. Wenn jedoch irgendwo im fremden Lande deutsche Lieme an unser Ohr klingen, dann springt der Funke über und schließt der, Kreis des Brudergefühls . . ,44 (Naumann, „Vom mosaischen und nicht- -vsaischen Juden*4). In den Veröffentlichungen Naumanns wird großer Wert auf die Fest- Stellung gelegt, daß die Juden keine solidarische Gruppe sind. So wird den Führern der Berliner Gemeinde ein Vorwurf daraus gemacht, daß mit den Zionisten eine jüdische Finheitsfront ..zusammengeleimt" hättei:. ,;e Zerstörung des antisemitischen Vorurteils von einer jüdischen Solidarität vschon einem Vorläufer Naumanns, der sich allerdings nicht in allen s> inen Anschauungen mit ihm deckt, wesentlicher Inhalt seiner Propaganda ^■'«an den Antisemitismus. Professor M. Lazarus wurde wegen Unterzeichnung eines reaktionären Wahlaufrufs, in welchem parlamentsfeindliche :i''ernnge-n enthalten waren, von den Berliner Juden heftig angegriffen. Daraufhin erklärte er („An die deutschen Juden'* 1S87):.....als deutscher nurgor und als Jude habe ich den Aufruf unterzeichnet: nicht "hg! eich, sondern noch ganz besonders weil ich ein Jude bin . . I^'h erkläre ferner, daß ich diesen Schritt als das wesentlichste und wichj '^te von allem, was ich je für die Juden getan, gehalten habe und noch! ii;lL**" -Ks war höchste Zeit. Es mußte notwendig etwas geschehen. -he von Freund und Feind einmütig gehegte Behauptung, daß . „; i'-r Jude als Jude zur Opposition gehören muß, niederzuschlagen. Daß