Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537785--5990-3544118- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 Die Partcibestrebungen inj deutschen Judentum Das Mittel dieses Kampfes ist vor allem Apologetik. Es wird nachgewiesen, daß die Juden moralisch den Nichtjuden gleichwertig sind und daß sie einen „unablöslichen Bestandteil des deutschen Volkes" darstellen. Diese beiden Behauptungen sind die Kristallisationspunkte, um welche sich alle öffentlichen Kundgebungen und Äußerungen des Z.V. gruppieren. Denn die Aufklärung der Öffentlichkeit ist die vornehmste Methode seiner Abwehrarbeit, zusammen mit planmäßiger Inanspruchnahme -der Justiz bei allen öffentlichen Ausschreitungen des Antisemitismus, literarischer oder physischer Art.") Dieser „Selbstverteidigung im Lichte der Öffentlichkeit41 sind bis heute die meisten seiner Kräfte gewidmet gewesen.15) Die Argumentation, deren er sich dabei bedient, ist in folgenden Leitsätzen zusammengefaßt, welche von Anbeginn an „die Grundlage des Z.V. gebildet haben" (Riesser): 1. \\r'~ deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens Stehen fest auf dem ßoden der deutschen Nationalität. Unsere Gemeinschaft mit der. Juden anderer Länder ist keine andere als die "Gemeinschaft der Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Länder. Wir erfüllen als Staatsbürger freudig unsere Pflicht und halten fest an unsern verfassungsmäßigen Rechten. - 2. Wir gehören als Juden zu keiner politischen Partei. Die politische Meinung wie die religiöse ist, Sache des Einzelnen. 3. Wir haben keine andere Moral als unsere andersgläubigen Mitbürger. Wir verdammen die unsittliche Handlung des Einzelnen, wes Glaubens er sei. 4. Wir verwahren uns gegen die leichtfertige oder böswillige Verallgemeinerung, mit der Vergehen einzelner Juden der jüdischen Gesamtheit zur Last gelegt werden. ..In diesen Leitsätzen ist die Gedankenwelt des Vereins scharf umrissen . . . Von diesen Grundsätzen ist er niemals abgegangen44 fügt der Historiker des Z.V. hinzu. Also: kein positives, vor allem kein jüdisch positives Motiv stand am Ausgangspunkt der Parteibildung des politischen Liberalismus. Die Beteuerung als Juden weder eine bestimmte religiöse, noch eine bestimmte politische Auffassung zu vertreten, die weitere Beteuerung moralisch gleichwertig zu sein und vor allem die Beteuerung des vollwertigen Patriotismus bilden Öen Gesamtinhalt des Programms des Z.V. Das Programm ist für Kenntnisnahme durch die nichtjüdische Welt bestimmt wie überhaupt alle Äußerungen des Z.V. Proklamationen sind.38) In allen seinen offiziellen Äußerungen kehren diese Kern jeder Kooperation, birgt also ein überwiegend negatives Element in sich . . (..Probleme der Sozialphilosophie44, S. 55). 1f) Die erste Institution, welche der Z.V. geschaffen hat. ist das sofort nach sejncr Gründung ins Leben getretene ..Rechtsschutzburean". ,5) Diese Beteuerungen stehen in unleugbarem Gegensatz, zu den Behauptungen, daß das Judentum eine messianische Sendungen der Menschheit habe, den Völkern das Licht seiner Wahrheiten und ethischen Ericerntnisse bringen müsse, daß es eine mit bestimmten Inhalten ausgezeichnete Religion sei. welche häufig — vor allem in der Polemik mit dem Zionismus — von offiziellen Vertretern des Z.V. aufgestellt werden, und' in dene" eine beträchtliche rTöherscbätzung der Judenheit in 'ethischer Hinsicht 7iim Ausdruck kommt. 3P) .Das Organ (das der Vorstand herauszugeben beabsichtigt» wird so gestaltet werden müssen, daß es zwar auch von uns Juden mit vielem Interesse gelesen wird, daß seine vornchmlichste Bestimmung jedoch die werden -muß. sieh an weite und fernstehende Kreise zu wender und in dieser Aufklärung über uns und unsere Bestrebungen zu verbreiten . . Wir wollen tausend Exenmlare dieses Blattes dauernd an die obersten Beamten des Reiches und der deutschen Staaten, sowie an die Vertreter des Volkes im Reichstag und in den Landtagen versenden4' (Dr. M. Mendel-