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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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Die Parteibestrebungen im deutschen Judentum 35 gleicherweise bestimmt. Die Gründer des 7.V. hingegen waren geleitet von dem Gedanken, daß n u.r die Zusammenfassung möglichst aller in Deutschland lebenden Juden zu einem „im Lichte der Öffentlichkeit** geführten Abwehrkampfe erfolgreich sein könnte: „So wertvolle Dienste esr (das Komitee) im einzelnen a-uch leisten mag, ihm fehlt dasv was das Grundprinzip unseres Vereins ausmacht: der Zusammenschluß einer großen Zahl, womöglich sogar aller Deutschen jüdischen Glaubens zu einer imposanten Organisation und deren Hinaustreten in die breite Öffentlichkeit.** („Die Pflicht der SeibMVerteidigung". Ansprache des 1. Vorsitzenden, Dr. Mendelssohn, bei der ersten Hauptversammlung des Z.V.) Der Z.V. beruht auf dem „Gedanken der Selbstverteidigung mit vollste] Kraftentfaltung"* (Eugen Fuchs: „Entwicklung und Aufgabe des Verbands der deutschen Juden'*.). „Unsere Legitimation zum Einschreiten, die Macht unserer Stimme, die Wirkung unserer Aktion ist häufig abhängig von der eigenen Tätigkeit und von dem Eifer derer, die hinter uns stehen. — Wenn nicht ein einheitlicher Wille uns alle beseelt und wir nicht mitarbeiten an dem großen Werke, dann wird es schwer sein, das zu erreichen, was wir auf unsere Fahne geschrieben haben: die staatsbürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Juden zu wahren ... es muß die Gesamtheit aller Juden mitarbeiten, wenn es möglich sein soll, den aufgedrungenen Kampf im Geiste der Wahrheit zu bestehen . . ." (Eugen Fuchs). Und weiterhin: „Wir sind der Meinung, daß es Pflicht aller ist, ihre Stellung im Vaterland durch eigene Kraft zu wahren". Gleichzeitig mit dem Gedanken, daß nur die Gesamtheit def deutschen Juden als „imposante Organisation", also der quantitativen Macht wegen, die erhoffte Wirkung auslösen könne, tritt der Gedanke hervor, daß nur durch eine solche Zusammenfassung auch die Erziehung -der Einzelnen zu selbstbewußten Juden durchgeführt werden kann, welche notwendig ist, um im Abwehrkampf die geeigneten Kämpfer zu haben. „Wer in der Be-*- wegung steht, wird mit freudiger Genugtuung es empfinden, wie die Gemeinsamkeit der Abwehrbestrebungen ... die Charaktere stählt, die bangen Gemüter erhebt und mit neuer Hoffnung erfüllt. Selbstvertrauen und Selbstbewußtem, Selbstachtung und Selbstkritik kehren ein" (Fuchs, „Bestrebungen und Ziele". 4895). Entsprechend sagt § 1 der Satzungen des Z.V. aus: „Der Z.V. bezweckt die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ... in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung ... zu bestärken". Von dieser Grundlage aus kämpfte der Z.V. gegen alle Bestrebungen, den deutschen Juden aus seiner rechtlichen Gleichstellung, wie sie seit 1869 besteht, zu verdrängen oder ihn in seiner persönlichen oder gesellschaftlichen Geltung herabzusetzen. Der politische Liberalismus hatte sich als „formaler Abwehrverein" organisiert. Es fehlte jede positive Bestimmung für die Tätigkeit der im Z.V. verbundenen Menschen: die Motive des Judeseins waren die denkbar verschiedensten, weshalb die Sache der Religion von vornherein und nachdrücklichst als Privatangelegenheit erklärt wurde: das Bekenntnis zum Deutschtum, das ferner am Ausgangspunkt der Partei stand und diese als zweiter wesentlicher Bestandteil ihrer Ideologie getragen hat, teilt der Z.V. mit der ganzen Mitlionenmasse des deutschen Volkes, vor allem aber gerade mit seinen Gegnern, den Antisemiten. Die politische Solidarität der liberalen Juden hat also nur eine negative Ursache, den Kampf gegen den Antisemitismu s.13) 1?) Robert Michels führt jede Solidarität und demzufolge jede Kooperation auf soziale Gegensätze, Antagonismen zurück: „Ich möchte den Haß als die bedeutendste Triebfeder der Solidarität bezeichnen. — Die Himmelsblume der Solidarität wächst und gedeiht bloß auf dem vulkanischen Boden der Interessengegensätze . . . Zur Bildung eines Solidaritätskreises ist a priori die Existenz scharfer Gegensätze erforderlich; man »st nur solidarisch gegen jemand. Die .Solidarität, dieser unentbehrliche

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