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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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Die Parteibestrebungen im deuts'enen Judentun; 33 von denjenigen, welche in der Polemik -gegen den Rasseantisemitismus, die Orthodoxie und den Zionismus nur die Religion als Kriterium des Judeseins erklärten. Auch beim politischen Liberalismus macht sich die Tatsache geitca-L daß die eigentliche Ausarbeitung der theoretischen und ideologischen urundlagen einer Partei sich erst in der Polemik mit anders gerichteten, entgegengesetzten Bestrebungen ausbilden und vertiefen. Am Beginn stehen die Auswirkungen von sSentiments, Ressentiments-, Affekten. Begeisterungen, Depressionen. Selbst wo schon eine ausgearbeitete Theorie bei Gründung einer Partei vorhanden ist, wie es etwa bei der ersten kommunistischen Internationalen der Fall war, kann diese noch "nicht als lebendiger, in Wahrheit wirksamer Faktor der Partei angesehen wtrujn: zu diesem soll sie erst gestaltet und dadurch die Partei aus der laviert, Lage eines Produktes seelischer Affekte in die stabile Lage einer geistig fundierten Korporation übergeführt werden. Der politische Liberalismus — für welchen wir näch seinem Hauptvertreter auch „Zentralverein deutscher StaatSDürger jüdischen Glaubens" sagen können — hat zwei Phasen durchgemacht, die für die Entwicklung seiner Ideologie entscheidend waren: zunächst die Periode des Kampxes gegen den Antisemitismus, dann die des Kampfes .gegen Antisemitismus u ii d innerjüüische Gegner. Im Kampf mit dem Antisemitismus hat der Z.Y. vorwiegend diejenigen Teile seines Ideengebäudes ausgearreuer, welche sich auf das Verhältnis von Judentum zu Deutschtum,. aüi das' Verhältnis der deutschen Juden zum deutschen Staatsverband bezienen; im Kampf gegen 'die innerjüdischen Gegner hat er vor allem seine-Anschauungen über den Sinn des Judeseins, die Beziehung seiner Mitglieder zu den Ideen einer jüdischen Nation (wie sie vom Zionismus_ entwickelt worden sind) ausgebaut. Wie beim rtligiösen Liberalismus Pietät gegenüber dem „Glauben der Vätcr'k wesentliches Moment des geistigen Aufbaus der Bestrebungen war und ist, eines <Ier Motive — -und zwar das einzig positive — iür die Erhaltung des Judentums in der aufgeklärten Judenheit darstellt, so ist es auch beim politischen Liberalismus die „Treue zur Glaubensgemeinschaft", welche anfangs die einzige positive Bindung an das Judentum bedeutet. Eugen Fuchs, der anerkannte Führer des politischen Liberalismus10), formulierte in einem politischen — also genauestens abgewogenen Aufsätze „Was nun?" (Neue jüdische Monatshefte 1919 S. 137) diese Treue folgendermaßen: „Wir wollen nicht vergessen, daß wir <Üe Erben einer Vergangenheit sind, die es uns verbietet, restlos, d. h. unter Verleugnung unserer Väter und unter Preisgabe unsere Tradition in der Mitwelt aufzugehen. . . . Wir wollen gute Juden bleiben". Und analog mit. dem religiösen Liberalismus, der das Judentum als Weitidee, als ethisches niLiischheitserzieherisches- Gedanken- und Lehrgebäude, nicht aber alt; ph\sisch greifbare, rassebestimmte soziale Realität faßt, ist der Gegenstand der Pietät der politischen Liberalen eine Gefühls- und Gedankenwelt, oft als Religion oder Glauben bezeichnet, aber auch als besondere Art des Fühlens und Empfindens, als „Art- und Stammesprägung" (Eugen Fuchs). Es findet sich hierin keine Einheitlichkeit der Auffassungen, weil der Gegenstand der Pietät kein primärer bewußter, sondern ein aus dem Sertimert als dessen Inhalt nachträglich erkannter ist. Manchmal ist es K Jigiich die Religion11), dann auch wieder Religion und Stammesbewußt- 1C) „Für uns bleibt Eugen Fuchs unser Führer. Er kann sich nicht von uns trennen und wir nicht von ihm. Unser Verein ist zum wesentlichsten Teil sein Werk;'sein Geist hat uns beseelt. Glücklich waren wir in ihm einen Führer zu besitzen, mit -dem wir durch dick und dünn '-'chen konnten, weil wir in allem mit ihm einig waren, und sind . .'.** Anziehe Kundgebung des Z.V. bei Eugen Fuchs* Niederlegung des Vorstandsamtes im Januar 1920. J1) „Ich kerne nur eine jüdische Glaubens gemeinsehaiY* (Fuchs).

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