Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Assinibiinn zu bewahren — die Erhaltung der Juden heil sollte durch Anglücnunv. des Judentums an den Zeitgeist vollzogen werden — dann das Besuchen 4r den Augen der Umwelt, vor allem denen des Gesetzgebers, ■ in < ileVhM elkmg mit den christlichen ReHgionsverbündcri zu er-;.,..„^;.'< . 1 v. : \ tfi.,..v;;'jiiüv .\ö.-^;i:aaiiOn Unu UiC »iliiiiiliZiJJuLwn;.,t!':ji di; R-j-oj mbc-*'egnng verursach: und in ihren Zielen bestimmt, das hoc), vov', :;]dci;c jüdKchc Aribewußtsein und politische Erwägungen zu uui :2iil>^ii*ck*i.'i paneimai'i'iger Konsolidierung geführt. iSeben der tiefen Zerklüftung der Anschauungen der Reformer muß Tür iiis Scheitern der Konsolidierungsabsichten noch die Tatsache angesehen wenien, daß kein „Deutsches Judentum", keine organisatorische oder orgar.isJie Einheit der deutschen Juden bestand, innerhalb deren die Reformbewgung ais Partei hätte auftreten, innerhalb deren sie ihre Tendenzen batst verteidigen oder geltend machen müssen. Hätte eine legitime Zentrale der deutschen Judenheit bestanden, so wären die Reformer gezwunger. gewesen, sich zu organisieren. So aber standen die Führer einzeln einem atorrisierten Publikum gegenüber und zogen es naturgemäß vor, auf dem Wese der Publizistik usw. Propaganda für ihre persönlichen Auffassungen zu machen, statt einer organisatorischen und ideologischen Einheit zuliebe Geshnungskompromisse zu schließen. „Jede Mittelgemeinde von 400—500 Seekn, jeder Rabbiner machte sich einen besonderen ,Ritus\ ein eigenes Getebuch zurecht , . (Philippsohn I, S. 340). Es fehlte der Gegner, der die Solidarität erzwungen hätte. Eine weitere Ursache für das Scheitern der Parteibildungsbestrebungen ist in der Verfassung der jüdischen Gemeirden zu suchen. Die liberalen Juden bildeten keine religiösen Gemeinsehmen, wie sie die ahorthodoxen gebildet hatten und die aufstrebende Neuuthodoxie sie wieder zu formen trachtete, sondern stellten ein Synagoge n p u b 1 i k u m dar: sie waren nicht mehr gemeinsam bemüht, im Reiisions^esetz zu leben, hatten nicht mehr das Bewußtsein, ein Volk, gar ein auserwähltes zu sein — das Schwinden dieses Bewußtseins war ja die ausschlaggebende Ursache der Reformbewegung gewesen — sie fühlten sich nicht mehr durch gleiche Art. gleiche Geschichte, gleiche Kultur -verbunden. Sie betrachteten sich lediglich als Religionsgesellschaft; ihre Gemenden Hatten den Charakter von Zweckverbänden: Zweck, war Einriernung eines erbaulichen und schönen, den christlichen Kulten nachgebildeten Gottesdienstes, wozu man sich einen Geistlichen verpflichtete. Dieser jedoch war Angestellter der Gemeinde, sozusagen ihr Arbeitsnehmer. Die Gemeinde hatte nicht das Bedürfnis und die Neigung, ihr religiöses Tun nach verpflichtenden Grundsätzen zu ordnen, sondern verlangte allenfalls eine Ideologe welche ihr religiöses Gebahren rechtfertigen sollte. Wir gelangen zu folgendem Schema der Gründe für das Mißglücken des ginij-ungsbestrebcns im liberalen Judentum: L die im Wesen der Reformbewegung wurzelnde Zerrissenheit der theologischen Ideologien; 2. die Tatsache, daß das Laientum keine der geltend gemachten Ideologien aufzunehmen und zu verlebendigen gewußt hat; 3. das Fehlen äußerer Nötigung zur Solidarität. .rd 1. Differenzierung einer sich durch Religion bestimmenden Gruppe, wie sie die Rahbinerversanimlungen sein wollten, bedeutet — wenn diese Differenzierung sich auf das Grundprinzip der betreffenden Religion, Dogma oder Kult us, erstreckt - stets deren Zerstörung, Gegenstand der Differenziermg war in diesem Fall die. Stellung zum traditionellen Ritus. Es war ein negatives Objekt: die Frage nach Methode und Umfang der Auflösung des (Überkommenen, an dem sich die Gegensätze entwickelten. Es standen '*) Den ..Reformatoren" ist dabei der Irrtum unterlaufen. äie Geringschänzung. die das Judentum erfuhr, lediglich aus den überkommenen, den Deinsehen fremd anmutenden Formen abzuleiten, was sie zu der Annahme führa, der Antisemitismus müsse nach Beseitigung dieser Formen verschwinden.