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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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24 Die Parteibestrebungen im deutschen Judentum legenheu unseres Gewissens, der religiösen Reform, nicht vermengen dürft . . Frankel verließ die Versammlung, als sich herausstellte, daß die Mehrheit gegen ihn sei.3) Auf der dritten Zusammenkunft in Breslau (1846) war es vor allem die Frage nach der Ausdehnung der religionsgesttzlichen Sabbatruhe, welche zwischen der gemäßigten und radikalen Richtung endlose Debatten hervorrief, die zu keiner Einigkeit führten. Man sah die Fruchtlosigkeit der Rabbinerversammlungen ein und verzichtete auf deren weitere Abhaltung, nachdem eine geplante vierte Konferenz aus äuBtren Gründen gescheitert war. — Nach fast 20 Jahren wurde nochmals der Versuch unternommen, iny Rabbinerzusammenkünften eine Instanz zur ..Regelung d-es ganz zerfahrenen öffentlichen Gottesdienstes44 zu schaffen. Die durch Geigers Schrift „Was tut not?44 veranlaßte Konferenz zu Frankfurt (1865) einigte sich auf Gründung eines „Vereins für die allgemtinen religiösen Interessen des Judentums". Dieser sollte „einen Mittelpunkt bilden, um das Bewußtsein der religiösen Zusammengehörigkeit in den Bekennern des Judentums zu befestigen und durch tatkräftige Bestrebungen für alle Interessen desselben nach allen Richtungen hin fördernd zu wirken". Dazu bemerkt der liberale Historiker: „Ein solches Programm war viel zu allgemein und unbestimmt, um irgendeine Wirkung zu üben". Der Verein „hauchte sein Dasein aus, noch ehe er es noch recht begonnen haue4'. Auf einer 1868 von Philippsohn nach Cassel einberufenen Rabbiner- ,Versammlung, die ebenfalls die Neuordnung des Kultus anbahnen sollte, zeigte sich, „daß hierüber selbst unter der kleinen Zahl von Rabbinern* die sämtlich reformfreundlich waren, keine Einigung erzielt werden konnte. * Damit war die Erfolglosigkeit der Rabbinerversammlungen 'noch einmal, wie schon ein Vierteljahrhundert früher, schlagend erwiesen". Auch die Laiensynode, die man dann einberief, weil man erkannte, „daß die Juden und die jüdischen Gemeinden in allen religiösen Dingen die unbedingte Autonomie und Selbständigkeit in ihrem Wesen tragen44 (L. Philippsohn) führte zu keiner Einigung. Erst im 20. Jahrhundert wurde wieder der Versuch unternommen, das Hberale Judentum geistig und organisatorisch zu einigen. 1908 wurde die „Vereinigung für das liberale Judentum44 gegründetM-welche als Organ die Monatsschrift „Liberales Judentum" herausgibt. Ihre höchste Steigerung gewannen diese 'Bestrebungen in der Ausarbeitung von „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum". Diese „Richtlinien" wurden in einer Versammlung der liberalen Rabbiner Deutschlands zu Berlin am 28. Mai 1912 vorgelegt und von dem Generalreferenten, Dr. Caesar Seligman. folgendermaßen begründet: „. . . zunächst für uns selbst, für uns als liberale Rabbiner müssen wir Richtlinien aufstellen. Wir stehen alle nicht auf dem orthodoxen Prinzip. Wir glauben nicht an die Verbalinspiration und an die ewige Gültigkeit und Unveränderlichkeit des im Schulchan aruch kodifizierten Judentums . . . Aber ist dieses Nicht glauben und die davon mehr oder weniger bedingte Praxis ein Prinzip? Aus Negationen baut man keine Religionen, kein Judentum auf . . . Positive Richtlinien das wäre die erste großzügige positive Tat des religio s-en Liberalismus. Nur darum konnte dem religiösen Liberalismus im Judentum bis jetzt reine Negation vorgeworfen werden, weil wir in der Tat nicht die Kraft und den Mut gefunden haben, auszusprechen, was das liberale Judentum positiv glaubt und festhält und was es festgehalten wissen will ... De jure besteht bis heute nur ein orthodoxes Judentum ... Trotz des liberalem Rabbinerverbandes gibt es keine gemeinsamen religiösen Prinzipien und keine gemeinsame religiöse Praxis . . . Soll dem wüsten Subjektivismus der unbeschränkten religiösen Anarchie Spielraum gelassen werden? . . . Dieser religiösen Not der liberalen Rabbiner wollen unsere Richtlinien ein Ende machen. — Aber nicht nur für uns, auch für die Ge- 3) Das Abschiedsschreiben Frankels an die Rabbinerversammlung und deren Antwort ist in Anlage I beigefügt. Es ist eine deutliche Illustration des. Charakters der Rabbinerversammlungen.

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