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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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22 Die Parteibestrebungen im deutschen Judentum men. Die deutsche Sprache dran« stetig vor und drängie äm Jargon zurück, die deutsehe Bildung, gegen welche -die alte Generation sich noch streng verschlossen hatte, gewann die junge: der am weitestes zurückgebliebene Flü-gel der Judcnheit näherte sich langsam dem Deutsdkturn. Damit geriet das Judentum in eine sehr bedrohliche Lage: es war in Gefahr, unterzugehen. Denn die orthodoxen Kreise waren sefei einziger zuverlässiger Rückhalt. Von den „Aufgeklärten" hatten gerade üe geistig Führenden das Beispiel zum völligen Verlassen des Judentums segeben. Aus der Familie Moses Mendelsohns waren alle Glieder zum Cferstentum übergetreten: selbst die Mitglieder einer Vereinigung junger jüdischer Intellektueller, des ..Vereins für Kultur und Wissenschaft Jer Jmfcn", der 1819 gegründet worden war, um dem drohenden Verfall Einhalt zu tun, ließen sich nach einer kurzen Periode der begeisterten HingaSsr an das Werk der Neugeburt des Judentums größtenteils taufen (Vorsitzeader des Vereins war Eduard Gans, der später, nach der Taute, einen Lehrstuhl für Jura in Berlin erhielt: ein eifriges Mitglied war auch Ileinricfe Heine). Der Antisemitismus, der in dieser Zeit das ganze öffentliche Leben in Deutschland beherrschte, wirkte verheerend auf die Reste jüdisdier Gemeinschaften. ..Die Taufe nahm gerade damals in erschreckender Weise überhand. Die Juden vermieden es ängstlich, miteinander zu Terkehren; zumal die jüdischen Studenten suchten ihren stammt^ verwarnten Kommilitonen möglichst fern zu bleiben. Das Judentum galt als abgeto" (Philippsohn, 1 S. 165). Einzelne Bestrebungen idealer Kreisescheiterten wie der ..Kulturverein", da das Groß der deutschen Juden dem Judentum gleichgültig gegenüberstand. Die letzte hebräische Zeitschrift, „Masaraassef", von einem ..Verein zur Förderung der hebräischen Spracht" heratas^e geben, erschien in ihren letzten Jahren unregelmäßig und mußte i797 am Mangel an Interesse ihr Erscheinen einstellen. Die unter der Redaktion toti Z.unz erschienene Zeitschrift jdes „Kulturvcreins" konnte ihre Dntckkos&eri nicht decken und ging ein. Dasselbe Schicksal hatten andere Grünefegen. so die 1835 erschienene ..Wissenschaftliche Zeitschrift für ah: jüdisdke Theologie" (von Abraham Geiger herausgegeben). Neun Jahre, von 1839—1848, konnte sich trotz geringer Verbreitung die von Mendel Heß. redigjkexie Zeitschrift, ..Der Israelit des 19. Jahrhundert** halten. Es is»L in Art sssd Dauer der verschiedenen Zeitschriften die Haltung der Autoren und die «ks Publikums bemerkenswert. Die Zeitschrift des ..Kuhurverein<~ vennrst noch keine bestimmte Richtung: sie brachte nur eine ..unjüdische Gesrmung" in „bombastischer Sprache" zum Ausdruck. Bendavid übte, zum «erstenmal von jüdischer Seite aus, Bibelkritik. Die Herausgeber waren Laäßi. Die Leser waren von alledem ..abgeschreckt". Abraham Omers Zetong dagegen ..versammelte um sich einen Kreis namhafter tieiührter - _ . Sie brachte im Beginn viel Anregung, Interesse. Kampflust — allmäMzch erlosch die Teilnahme . . .*' Sie hatte schon ein wesentlich größeres feteresse gefunden: Herausgeber und Mitarbeiter waren jüdische Theotecn. 1837 'erschien. von dem Rabbiner Ludwig Phihppso^n h.vausgegÄen. die -.Allgemeine Zeitung des Judentums", welche bis vor kurzen noeJa bestand und von ihrem Gründer in ganz bestimmter Richtung gefihr: wmrde: sie prer 'giL-ric eine ..gemäßigte Reform". Die Reformbestrebungeu nahmen langsam an Zielsicherheit: zu und gewannen größeres Interesse im jüdischen• Publikum. Alle die Zeitschriften, die noch den 30er Jahren herausgegeben! wurden, bedeuteten von Rabbinern unternommene Versuche, den droherjKien Zerfall der deutschen Jadrnheit durch Konsolidierung einer bestimmte „Richtung" auf Grund einer zeitgemäßen Neuausiegung des Judentums issd einer entsprechenden Neuregelung des Gottesdienstes Einhalt /u tun. .Man erkannte, daß der Weg des unorganisierten und ideologisch nicht fundierten Reformierens des Judentums seiner Bräuche und religiösen Vorschriften zu allmähliger Auflösung, zum Untergang führen mußte. Man wollte der Anarchie Einhalt tun und Zentren schaffen, in die sich die Bestrebungen der Erneuerung des Judentums, seiner Angleichung an die a 11gersann herr-

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