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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Die Paneibestrebungen im deutschen Judentum 21 Fr so]] b]oß den Versuch machen und soll, w.enn er der Arbeit nicht Lust und Freude abgewinnen kann, sich ruhig und still, ohne Arger und Erbitterung, einem andern Berufszweige zuwenden. Aber er soll den Versuch machen. Man wird mir sagen, daß die Jungens. die in das KJV. kommen, sich bereits für einen Beruf entschieden haben. Was tutsf Ich-wende mich an die, die sich zufällig, oder von kleinlichen Gesichtspunkten geleitet, für ihren Beruf entschieden haben. D i e sollen versuchen. Man komme mir auch nicht mit dem Bedenken, daß diese Jungens bereits zu alt wären, um umzusatteln. Das sind Bedenken, deren Berechtigung ich für uns nicht anerkenne! Der gesunde Mensch vermag viel, wenn er richtig will. Natürlich wäre es besser, er hätte schon als Junge arbeiten gelernt. Er hätte sich dann viele Schwierigkeiten erspart. Nun er es nicht getan hat, ist er deshalb verbannt, Sklave eines ihm anerzogenen, aufgezwungenen Berufes zu sein? Meines Erachtens ist -e» immer noch menschenwürdiger, einen Beruf auszuüben, den man sich hat erkämpfen müssen, mit dem man aber verwandt und verwachsen ist, als aus Trägheit und Gedankenlosigkeit in einem Beruf zu verharren, an den einen, im Grunde genommen, nichts bindet! Auch der Einwand, daß so einem Versuche viele Schwierigkeiten praktischer Natur im Wege stehen, ist unbegründet. Ja, ich behaupte sogar das Gegenteil: rein praktisch gesehen, ist nichts leichter als so ein Versuch. Wenn ein Junge beispielsweise zum Bauern aufs Land geht, so braucht er nicht die geringsten Mittel dazu. Beim Handwerk mag es etwas schwieriger liegen. Aber in keinem Falle würde der Junge, wenn sein Versuch mißlingt, im Studium wesentlich beeinträchtigt werden. Hat er ein oder zwei Semester ausgesetzt, so dürfte es ihm nicht schwer fallen, das Versäumte in den folgenden Semestern aurch intensives Studium einzuholen. Ich bin überzeugt, daß wir auf diesem Wege so manche Menschen für die körperliche Arbeit gewinnen werden. Natürlich kann der vorgeschlagene Weg nicht zum Prinzip im KJV. erhoben werden. . Es ist nicht Aufgabe des KJV., seine Mitglieder auf bestimmte Berufe hinzuweisen. Ich wende mich auch nicht an das KJV.. im allgemeinen. Ich wende mich bloß an einen kleinen Teil der Bundesbrüder, nämlich an. die „Unberufenen". Sie. und nur sie, sollen das Gesagte prüfen, für sich prüfen. Und stillschweigen! Es läßt sich über diese Anregung nicht debattieren. Unser Kartell aber braucht nicht zu fürchten, daß es durch die Beurlaubung einer An?ahl von Bundesbrüdern etwa zu sehr geschwächt würde. Je mehr Bundesbrüder dem Kartell auf diesem Wege „verloren gehen", um so stär-ker wird es sein. Die Parteibestrebungen im deutschen Judentum. Von Rudolf Sc'hay, Hersel b. Bonn» (Fortsetzung.) * . " Das liberale Judentum. I. Die religiösen Reformbestrebungen. Die letzten Reste des Ghetto schwanden immer mehr. Die alte Orthodoxie verlor mit dem Aussterben ihrer Führer jede Bedeutung. Die Rabbiner, welche in der talmudischen Kultur gewurzelt hatten, fanden keine Nachfolger, denn die junge jüdische Intelligenz wandte sich der deutschen Kultur zu. Die orthodoxen Gemeinschaften verfielen, denn die Tatsache, daß ein großer Teil der Juden noch an den religiösen Gebräuchen der vergangenen Generation festhielt, genügte nicht, um ein orthodoxes Judentum als lebendigen sozialen Organismus zu erhalten, zumal die Trennungslinien zwischen dem Judentum und seiner Umgebung immer mehr verschwam-

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