Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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20 ' Zur Berufsfrage und Handwerker werden jedoch bei der vorgeschlagenen lokal begrenzten Palästinaarbeit die Hauptrolle spielen. * Man verwerfe die gemachten Vorschläge nicht deshalb in Bausch und Bogen, weil vielleicht im Einzelnen Falsches und Undurchführbares sich findet. Vielmehr versuche, man sie zu verbessern, sie auszugestalten, oder aber man mache neue. Es kommt darauf an, * daß wir endlich uns bemühen, die Brücke zwischen Idee und Verwirklichung, die so lange fehlte, zu finden. Oder dieses ganze Kartell verliert seinen Sinn und verwirkt das Recht auf eine Sonderex istenz neben dem Herzlbunde, dem es heute so ähnlich sieht. Zur Berufsfrage*) Von Schmuel Baumgart (Berlin). Im Folgenden soll eine Anregung gegeben werden, die verwirklicht nicht ohne Einfluß auf das Leben des KJV. bleiben wird. Es handelt sich um einen einfachen, fast selbstverständlichen Gedanken, der eigentlich schon längst hätte ausgesprochen werden sollen. Palästina braucht zurzeit vor allem körperlich arbeitende Menschen, Landarbeiter, Handwerker u. a. Das ist eine Tatsache, und die zweite ist, daß ein nicht unerheblicher Teil der Bundesbrüder bei der Wahl des zukünftigen Berufes nicht von einer ausgesprochenen Begabung oder Neigung geleitet wird, sondern sich. mehr zufällig diesem oder jenem Berufe und Studium zuwendet. Und nun frage ich: warum wenden sich d:ese Bundesbrüder nicht einem körperlichen Berufe zu? Warum machen sie nicht den Versuch, einen für Palästina nützlichen Beruf zu ergreifen? Man verstehe mich nicht falsch! Es liegt mir nichts ferner, als hier für körperliche Arbeit Propaganda zu machen. Jede Berufspropaganda - ist töricht. Heute weiß jedes Kind, daß Beruf ..Berufung" ist. Wenn aber jemand sich zu keinem Berufe „berufen44 fühlt, wenn ei keine ausgesprochenen Neigungen und Fähigkeiten besitzt, warum sollte dieser, anstatt es mit der Juristerei oder mit der Medizin und mit sonst was zu versuchen, es nicht beispielsweise mit der Landwirtschaft veisuchen? Man wird mir sagen: Wir wolle' keine Zufallslandwirte züchten. Sehr richtig! Wir kennen Leute, die mit ihrem Berufe nicht eng verwachsen sind, in Palästina nicht brauchen. Wir brauchen- Mensches, die ihre Arbeit lieben, denen Beruf, nicht lästiges Mittel, sondern Selbstzweck, L e b e n bedeutet. Aber wer sagt Euch denn, daß die, sagen wir „unberufenen" jungen Menschen die körperliche Arbeit nicht liebgewinnen, nicht mit ihr verwachsen werden! Kennt denn .jemand von ihnen die körperliche Arbeit, hat er auch nur eine blasse Vorstellung von der Landwirtschaft, vom Landleben, vom Handwerk usw.? Er soll sich ja nicht einem Teufel auf ewig verschreiben, sondern soll einen Versuch mit der Arbeit machen, ebenso wie er einen Versuch mit diesem oder jenem Studium macht! (Vielmehr nicht ebenso! Denn er soll sich sagen: anstatt es mit einem für Palästina unbrauchbaren Berufe zu versuchen, will ich es mit einem für das Land nützlichen versuchen.) *) Anm. der Redaktion. Obwohl wir im Gegensatz zu Bbr. Baumgart der Meinung sind, daß die hier angedeutete Frage im Kartell schon des öfteren ernsthaft erwogen und diskutiert wurde, halten wir es für notwendig, daß immer wieder in unserem Kreise dieses Problem behandelt wird und Anregungen gegeben werden.